Familie Dortmund

Weihnachten ist mehr als nur einmal im Jahr

Die Weihnachtstage werden in diesem Jahr für viele anders ablaufen als gewohnt. Umso mehr weiß unsere Gastautorin Alexandra die schönen Erinnerung an vergangene Feste zu schätzen, die sie mit ihrer Familie verbracht hat. Als Russen können sie sogar mehr als nur einmal im Jahr Weihnachten feiern.

 

Ein Gastbeitrag von Alexandra Kryaneva – Mutter von zwei Kindern und begeisterte Reise-Berichterstatterin, auch über Dortmund (www.ichwohnehier.com). Ausführlich stellt sie sich hier vor.

 

Ihr Lieben,

 

als ich mich diesmal hingesetzt habe, um einen Post für diese Familien-Rubrik zu schreiben, war ich mir plötzlich sehr unsicher, worüber ich überhaupt berichten möchte. Soll ich über das festliche Beisammensein schreiben, das dieses Jahr fast in jeder Familie weit entfernt von der Normalität ablaufen wird?

 

Über Ausflüge jedenfalls wollte ich nicht schreiben, denn davon berichte ich genug. Und momentan habe ich ganz wenig Motivation, etwas Neues zu entdecken. Da bin ich ganz ehrlich. Auch wenn mir bewusst ist, dass es anderen Menschen viel schlechter geht als mir: Ich muss zugeben, dass mir der Corona-Wahnsinn langsam wirklich an die Substanz geht.

 

Dann habe ich ein bisschen in den Fotos der vergangenen Jahren gestöbert, als wir noch Weihnachten als eine große Familie mit Omas und Opas gefeiert haben. Dabei fiel mir ein, dass Jammern eigentlich nicht viel bringt – und dass ich nicht allein bin. Viele von uns haben ihre Eltern und Großeltern in diesem Jahr wenig oder gar nicht gesehen. Und ich bin immer noch positiv gestimmt, dass diese doofe Krankheit irgendwann doch besiegt wird!

 

In diesem Sinne möchte ich Euch erzählen, wie Weihnachten und Silvester bei mir in der Familie normalerweise ablaufen würden – also ein wenig Nostalgie aus der Zeit vor Corona. Mit den Kindern und meinem Mann haben wir die Tradition seiner Familie übernommen, die Kleinen am 24. Dezember aus dem Haus zu locken, in der Zwischenzeit schnell den Weihnachtsbaum aufzustellen und zu schmücken und sie damit zu überraschen. Im vergangenen Jahr waren wir mit dem Baum-Kauf dann besonders spät dran. Erst am Heiligabend habe ich einen mit meinem Vater geholt. Da wir zu dem Zeitpunkt kein Auto oder Lastenrad hatten, haben wir ihn einfach mit dem Kinderwagen nach Hause transportiert. Während die Kinder mit dem anderen Teil der Großeltern beim weihnachtlichen Singen im Stadewäldchen unterwegs waren, haben wir dann alles vorbereitet. Das war eine tolle Überraschung für die Kinder!

 

Normalerweise besuchen uns meine Eltern aus St. Petersburg jedes Jahr zu Weihnachten. Wir kochen zusammen, backen, trinken Wein, sprechen Englisch-Russisch-Deutsch, singen Lieder, packen Geschenke aus – und haben eigentlich nie daran gedacht, dass es irgendwann mal anders sein könnte. Nach sehr intensiven weihnachtlichen Tagen gibt es dann eine kurze Verschnaufpause. Denn kurz darauf packen wir unsererseits die Koffer gepackt, um nach St. Petersburg zu fliegen. Daraus ist mittlerweile eine feste Familientradition geworden: Den Jahreswechsel feiern wir in Russland mit dem Rest der Familie und Freuden. Und ich besuche meine Oma, die 92 Jahre alt ist und nicht mehr verreist.

 

Ich muss erwähnen, dass es in Russland ein bisschen anders abläuft als in Deutschland: Die Geburt Christi feiern die russisch-orthodoxen Christen, die sich nach dem alten julianischen Kalender richten, in der Nacht vom 7. auf den 8. Januar. Es ist aber nicht der wichtigste und beliebteste Feiertag für die Russen. Denn das ist Silvester – das neue Jahr! Und das feiern wir mit einem geschmückten Baum und Geschenken. Für uns also quasi ein zweites Weihnachten.

 

Am Neujahrsfest kommt in meiner Heimat die ganze Familie zusammen, es wird viel gegessen und getrunken, wir beschenken uns, der Tannenbaum leuchtet feierlich und alle schauen alte sowjetische Filme. Mittlerweile dauern die Silvester-Feiertage in Russland vom 1. bis 9. Januar. Es wird also Silvester und Weihnachten in einem großen Rutsch gefeiert – das ganze Land hat Ferien.

 

Wenn wir in St. Petersburg waren, haben wir immer ganz viel Zeit mit der Familie verbracht: mit Oma durch den Park spazieren oder Borsch schlürfen, den Schnee genießen und ab und zu einen Ausflug ins Museum oder Theater unternehmen. Wie wertvoll diese Momente sind, habe ich mit Blick auf die anstehenden Feiertage noch einmal besonders zu schätzen gelernt.

 

Da wir dieses Jahr unseren Lieben leider nicht werden umarmen können, habe ich mit den Kindern viele Briefe geschrieben. In jeden haben wir ein Familien-Foto und einen Origami-Kranich gelegt. Wenn in Japan ein Kranich verschenkt wird, bedeutet es, dass der Schenkende dem Beschenkten tausend Jahre Glück und Gesundheit wünscht. Und das ist genau, was wir alle momentan brauchen.

 

Wir haben so viele Kraniche gemacht, dass wir auch Euch gerne welche schenken würden. Schreibt mir auf Instagram eine DM mit Eurer Adresse und Ihr bekommt Post von uns – mein Kanal heißt @ich_wohne_hier. Falls Ihr die Idee gut findet und selbst aktiv werden wollt: Hier findet Ihr die Anleitung für die Origami-Kraniche.

 

Ich wünsche Euch alles Liebe und einen schönen vierten Advent,

 

Eure Alexandra