Geschichten aus Dortmund

Menschen aus Dortmund

Kirstins Leben findet derzeit zwischen Urwald-Requisiten, gefilzten Elefantenohren und Tigerschminke statt. Die Proben für Das Dschungelbuch an der Naturbühne Hohensyburg laufen auf Hochtouren. Am 10. Juni ist es so weit, dann ist Premiere. Kirstin ist bei allen Proben dabei. Klar, als Regisseurin ist sie Chefin vom Dienst und gleichzeitig Mädchen für alles. Wenn es nicht die großen und kleinen Stars der Naturbühne oder Kirstins tierische Begleiterin Wilma sind, kommen jetzt wir dazwischen und wollen ein Menschen aus Dortmund Interview. Kirstin nimmt's leicht. There’s no business like showbusiness und viel los ist hinter den Kulissen ja immer.

 

Die Naturbühne Hohensyburg gibt es seit über einem halben Jahrhundert. Das Freilichttheater befindet sich mitten im Grünen. Bühne und Tribünen sind umrahmt von altehrwürdigen Eichen. Die Sonne schlägt Muster durch das teils überhängende Blätterdach. Einen schöneren Arbeitsplatz kann man sich kaum vorstellen. Kirstin kann da nur zustimmen. Schon in ihrer Jugend stand sie hier auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Heute ist sie hier Theaterregisseurin. Auch nach ihrer Ausbildung zur Theaterpädagogin, blieb Kirstin beruflich in Hohensyburg. Die Naturbühne ist für sie Heimat. Hier verbringt sie einen Hauptteil ihrer Zeit. Kirstin obliegt die Umsetzung der Stücke: Stückauswahl, Rollenvergabe, Arbeit an den Charakteren, Szenische Arbeit, Tanz- und Singtraining. Nebenher tüftelt sie dann auch noch liebend gern an Kostümen, Masken und dem Bühnenbild. Zwischen Hobby und Beruf unterscheidet Kirstin nicht.

 

Eigentlich wollte sie ja immer zum Tanz. Als ihr der eigene Körper dann aber einen Strich durch die Karrierepläne machte, verschrieb sie sich voll und ganz dem Theater. Kirstin arbeitet meist dann, wenn alle anderen frei haben. An einem Laientheater ist das halt so. Da sind die Proben abends und die Aufführungen am Wochenende. Kirstin könnte sich trotzdem nichts anderes für sich vorstellen. Besonders in ihrer Arbeit mit den Kleinen hat Kirstin ihre Erfüllung gefunden. „Ich wollte immer mit Kindern arbeiten. Ob du willst oder nicht, von den Kleinen bekommst du immer ein ehrliches Feedback“.

 

Kirstin unterbricht sich. Eine kleine bis mittelschwere Katastrophe wird an sie herangetragen. Die Schnäbel der Geier wollen sich partout nicht auffinden lassen. Blöd, in fünfzehn Minuten beginnt die Probe. Kirstin bleibt ruhig und sachlich. Wann sie die Schnäbel denn zum letzten mal auf hatten, wer sie dann weggelegt hätte, wo diese Person grade ist. Kirstin macht den Job schon zu lange, um sich von so etwas aus der Ruhe bringen zu lassen. Innerhalb weniger Minuten sind die Schnäbel gefunden. Die Krise ist abgewendet. Die Geier sind happy.  

 

Kirstin darf diese Saison sogar selbst auf die Bühne. In der Adams Family spielt sie einen der zahlreichen verschrobenen Charaktere. Die Adams Family ist ein Musical – Kirstins liebste Art von Bühnenkunst. Schauspiel, Tanz und Gesang – fürs Musical musst du alles können. Das Stück, dass sie gerne noch umsetzen würde? Shakespeares "Othello"! Irgendwann wird das auch auf der Naturbühne mal klappen.

 

In ihrer raren Freizeit zieht es Kirstin ins Grüne. Westpark, Tremoniapark und Bittermark sind ihre absoluten Lieblingsorte in Dortmund. Hier kann sie mit Wilma ein paar Meter machen und ein bisschen für sich sein. Die Betriebsamkeit des Theaters würde Kirstin aber für nichts in der Welt eintauschen.

 

Die Bühne füllt sich. Baloo, Bagheera, Oberst Hathi und Shere Khan schauen zu uns hinauf. Für Kirstin ist es an der Zeit sich zu verabschieden. Wir verziehen uns auf die oberen Ränge. Jetzt ist proben angesagt. Da wollen wir auch nicht weiter bei stören. Bis zur Premiere sollen ja alle Einsätze sitzen.