Geschichten aus Dortmund

Stadtteilsafari

Zur Vorbereitung auf den Hafenspaziergang 2018 waren wir für Dich bereits vor ein paar Wochen am Hafen und in der westlichen Nordstadt unterwegs. Das Quartier befindet sich im Umbruch. Auf städtischer Seite gibt es allerhand Pläne, die Straßen um den Stadthafen für Unternehmen und Gastronomiebetriebe attraktiver zu machen. Dabei ist es doch der rockige, unverbaute Vollfarbe-Charme des Hafenquartiers, der uns so umhaut. Wie an so vielen Ecken in Dortmund treffen hier Arbeit und Industrie auf Kreativität und Lebensfreude. Verstreut über die Nachbarschaft findest Du reichlich Orte der Kunst, erfrischend individuelle Ladenkonzepte und tolle Bars. Wir sind begeistert und sagen: „Hafenviertel ahoi!“

Stadtstrand ahoi!

Einfach mal wieder am Wasser sein – mit der warmen Sonne im Gesicht und den nackten Füßen im kühlen Sand. Das geht in Dortmund ganz einfach und ist auch gar nicht so weit weg. HERR WALTER und die TYDE STUDIOS laden Dich zum Bierchenschlürfen und Relaxen ein. 

 

Herr Walter, das ist das bekannte Event-Schiff mit Sandstrand-Anlegeplatz. Nach einem wilden Leben als Schüttgüterschiff in nationalen und internationalen Gewässern nennt Herr Walter seit 2011 den Dortmunder Hafen seine Heimat. Uns freut's! Auf und um Herrn Walter kann man nämlich unglaublich gut feiern und faulenzen. Sonntags gibt's entspannte Loungemusik beim Deep Dive. Massig Liegestühle und Sitzsäcke laden zum Bräunen, Quatschen, Backfischfuttern und Limoschlürfen ein. Samstags wird im Herrn Walter dann getanzt. Dicke Beats bringen den alten Kahn kräftig zum Wackeln. So oder so ähnlich wird das auch am Hafenspaziergang aussehen. Je später der Abend, desto dicker die Bässe.

 

Direkt neben dem alten HAFENAMT, dem Wahrzeichen des Dortmunder Hafens, liegen die Tyde Studios. Das Tyde ist Strandbar, Restaurant mit Chill-out-Factor, Partylocation im Shabby-Chic, inspirierendes Kultur-Wohnzimmer, Galerie und so weiter und so fort. Der neuste Clou im Tyde: Yoga. Dienstags und sonntags kannst Du Dich in bester Gesellschaft biegen und den Kopf frei kriegen. Natürlich vor atmosphärischer Hafenkulisse.

 

Es ist Sommer und die kreativen Konzepte sprießen nur so aus dem Boden. Bestes Beispiel ist der UMSCHLAGPLATZ an der südlichen Speicherstraße. Das Konzept ist einfach: zwei Überseecontainer, ein Bauwagen, eine Handvoll Tische, Stühle und Palettenbänke – et voilà, eine Guerilla-Hafenbar mit Industrie-Charakter. Alle paar Donnerstage gibt’s im Umschlagplatz Pictures ´n Pintxos - also wechselnde Fotoausstellungen mit spanischen Schnittchen. An den Wochenenden kannst Du Dich dann mit einem erfrischenden Sommercocktail an die alten Verladerampen nebenan setzen und beinebaumelnd die Sonne über dem alten Hafenamt untergehen sehen. Zum Hafenspaziergang kannst Du Dich auf ein Jazzfrühstück, Livepainting und 'ne dicke Party freuen.

 

Theater, Theater, der Vorhang geht auf

Bühnenkunst wird im Hafenviertel großgeschrieben. Der Hafen hat gleich zwei etablierte Theater, die Dich zum Ausgehen verführen. Das THEATER IM DEPOT ist eines der größten freien Theater in der Region. Im Seitenflügel der ehemaligen Straßenbahnwerkstatt hebt sich der Vorhang für Kabarett, modernes Schauspiel und experimentelles Theater. Am 1. September ist große Saisoneröffnung mit Boris Gott Band und Matthias Scheuring. Freu Dich auf viel Musik vom bekannten Nordstadtbarden (Gott) und dem Schauspieler und Geschichtenerzähler (Scheuring). Es geht um Wasser und die Dortmunder Heimat. Ab 16 Uhr kannst Du das frisch renovierte Theaterfoyer betrachten, um 19 Uhr beginnt die Vorstellung.

 

Echte Klassiker gibt’s im ROTO THEATER an der Gneisenaustraße. Das Roto Theater ist ein Literaturtheater. Erich Kästner, Loriot oder Schiller – große Namen, große Dramen und oft auch ganz viel Witz. Zum Hafenspaziergang hast Du die einmalige Chance hinter die Kulissen zu schauen.

 

Kassettendeck, Boombox und Vinyl

Der REKORDER ist Kunst- und Kulturort, Spaßraum und Schankhaus. Eigentlich passiert hier jede Woche etwas Außergewöhnliches. Lesungen, Konzerte, Party, Tischtennisrundlauf oder TauschRausch sind nur ein paar der Events, die die tonbande für Dich veranstaltet. Der Rekorder ist andersdenkend, positiv und bunt. Hier ist jeder willkommen, der Lust hat, sich köstlich zu amüsieren. Klein, aber fein: Wird’s Dir im Keller zu eng, schlängel Dich hoch zur Bar oder direkt raus auf die Gneisenau. Gegenüber winkt dann auch schon das SUBROSA.

 

Während der Rekorder mehr ein Ort fürs gemeinsame Feiern ist, ist der REKORDER II der ultimative Kreativraum. Der Rekorder II ist Atelier, Ausstellungsraum und Kunst-Produktionsstätte. Wechselnde Künstlerresidenzen bieten ein abwechslungsreiches Programm verschiedenster Kunstformen. Zum Hafenspaziergang kannst Du Dich auf Songs & Cakes mit dem Singer-Songwriter-Powerpop-Duo  "The Coast & the Sea" freuen.

Die einzig wahre Hafenschänke 

Das SUBROSA ist eine Institution. Seit knapp 25 Jahren gibt's in der Hafenschänke Live-Musik, knautschige Sofas und gute Gespräche. Nahezu jede Woche kannst Du hier einen anderen ausgeflippten Live-Act erleben. Konzerte im Subrosa sind Konzerte im Wohnzimmer: kuschelig, gesellig und was ganz Besonderes. Falls sich die Rampensau in Dir kaum zügeln lässt, komm doch mal zum Subrosa-Talentschuppen. Open Stage für Musiker aller Genres. Werde zum Liebling des Abends oder amüsier Dich einfach als Zuhörer vor der Bühne. Mussik gib's am Hafenspaziergang ausnahmsweise mal open air - direkt nebenan im BLÜCHERPARK.

 

Ein Ort der Künste

Das KÜNSTLERHAUS macht seinem Namen alle Ehre. Es ist ein Ort für (insbesondere) junge Künstler/-innen, die ihre Arbeiten der Öffentlichkeit präsentieren möchten. Im Wechsel zeigt das Künstlerhaus sowohl Foto-, Malerei-, Bildhauerei- oder installative Arbeiten. Im Rahmen des Hafenspaziergangs kannst Du die Ausstellung "Favoriten" entdecken.

 

Direkt im Knick der Speicherstraße befindet sich der PROJEKTSPEICHER. Der Projektspeicher ist vordergründig Heimat der MAUSBRAND Informationssysteme GmbH. Hinter dem etwas mystischen Namen stecken engagierte Programmierer und Medienmacher, die sich mit weiteren Leuten zum Projektspeicher zusammengeschlossen haben. Auf längere Sicht soll das ehemalige Fuhrgebäude ein außergewöhnlicher Arbeitsplatz für ganz viele kreative Köpfe werden. An der Seminaretage wird noch gebastelt, im Keller finden bereits Kunstausstellungen statt. Für den Hafenspaziergang stellt u.a. erneut das Künstlerkollektiv EXPORT 33 im Projektspeicher aus. Der Elan und die Vision hinter dem Projektspeicher hat uns mehr als beeindruckt. Der Hafenspaziergang ist eine tolle Möglichkeit für Dich, um dir das Projekt anzuschauen.

 

DER KUNSTBETRIEB ist ein Ein-Raum Atelier, direkt an der Gneisenaustraße.  Gründerinnen Sabine und Anke stellen vorzugsweise lokale Künstler aus. Mal finden im Kunstbetrieb Einzelausstellungen statt, öfter findest Du hier aber einen überraschenden Mix aus vielen verschiedenen Arbeiten. So eine Ausstellung im Kunstbetrieb kann ganz schön bunt werden: Metallskulpturen, Gemälde, Kohlezeichnungen, für Abwechslung ist hier immer gesorgt. Jugendliche können hier nicht nur schauen, sondern direkt mitmachen. Der Kunstbetrieb bietet immer wieder Workshops an.

 

Dortmunds very own Hardrock-Café

Primär ist das ROCKAWAY BEAT erstmal Umschlagplatz für Sammlergitarren. In den beleuchteten Ausstellungsboxen verstecken sich einige Schätzchen, die das Gitarristenherz schon mal ganz wild pochen lassen. Mit der Zeit wurde das Rockaway Beat immer mehr zum Treffpunkt für Musikinteressierte und Kulturschaffende. So sehr, dass bei Bedarf mittlerweile Käffchen an die Besucher ausgeschenkt werden. Das Rockaway Beat ist Rock ’n‘ Roll, retro und ein bisschen Kitsch. Überschreitest Du die Ladenschwelle, fühlst Du Dich zurücktransportiert in die Zeit der Gitarrengötter und Kaugummiautomaten. Auch für Nicht-Gitarristen hat das Rockaway Beat allerhand verschnörkelte Nichtigkeiten zu bieten. Die hohen Regale laden zum Stöbern und Nostalgischwerden ein. Live-Musik gibt’s hier natürlich auch immer mal wieder und, ganz exklusiv, den Dortmunder Hafenschnaps.

 

Camera-Lichtspiele

Wenn Du nicht aufpasst, könntest Du glatt an der CAMERA vorbeilaufen. Dass an der Malickrodtstraße Platz für ein ganzes Kino ist, würde einem so ja auch kaum in den Sinn kommen. Dabei gibt es das Programmkino bereits seit über 30 Jahren. Die Camera ist ein typisches Kohlenpott-Lichtspielhaus. Ein Ort, an dem auch kleinere Produktionen Platz finden. Hollywood-Mainstream wird hier nicht gezeigt, dafür findige Filmproduktionen aus der ganzen Welt. Wie überaus erfrischend.

 

Die Heimat des Anarcho-Täubchens

Ein bisschen rebellisch fühlen wir uns hier ja schon. Gut politisch aufgeladen hier. Ein Hauch von Aufbruchstimmung wabert in der Luft. Vielleicht bilden wir uns das aber auch nur ein, weil uns der Beiname des BLACK PIGEON, „anarchistisches“ Buch- und Kulturzentrum, noch so in den Ohren klingelt. Die Jungs hinter der ganzen Sache sind auf jeden Fall supernett. Und eine Tauben-Maske haben sie obendrein auch noch. Schwupps, so einfach lässt sich unser Herz erobern. Das Black Pigeon ist Treffpunkt für politisch Interessierte, vegan Essende oder einfach Leute, die Bock auf Tischtennis haben. Hier kannst Du Dich links informieren, musst Du aber nicht. 

 

Wohnzimmerbühne

Eigentlich ist die Schillerstraße 37 ein simples Wohnhaus. Eine ganz bestimmte Wohnung fällt hier aber immer mal wieder aus der Reihe. Der Kultursalon SCHILLER 37 öffnet alle paar Wochen seine Pforten und lädt Dich ein, zu Musik, Kunst, Austausch. Die charmante Wohnzimmerbühne wird derzeit zwar nur spärlich bespielt, bei allen größeren Events in der Nordstadt ist das Schiller 37 aber mit von der Partie. So zum Beispiel beim Hafenspaziergang oder den Offenen Nordstadtateliers. 

 

Augen zu und tanzen

Wenn Dir am Abend dann doch mal wieder nach Richtig-Abzappeln ist – ab ins SISSIKINGKONG. Hier ist eigentlich jedes Wochenende was los. Unter Feierbegeisterten besonders beliebt ist die La Boum-Party, mit Beat, Boogie, Balkan, Swing und Rock ‘n‘ Roll. Während unten im Keller gefeiert wird, wird oben unter Bogenlampen gemütlich angestoßen. Draußen sitzen kannst Du hier auch. Ab 18 Uhr sitzt Du hier mitten in der sattgelben Abendsonne.

 

Zukunft und Farbe

Mit jedem neuen Mural etabliert sich der Hafen mehr als Streetart-Hotspot. Am SPEICHER 100 prangt seit dem vergangenen Jahr ein riesiger Pott-Wal. Dennis Klatt hat dem riesigen Gebäude einen formschönen, regionalen Stempel aufgedrückt. Eine Ecke weiter, an der Drehbrückenstraße, sorgt das Muralart-Kollektiv MORE THAN WORDS für den entsprechenden Farbtupfer. Gebäude und freistehende Wände wechseln alle paar Monate das Motiv. Hier gibt es stetig etwas Neues zu entdecken. Der Abstecher auf die andere Seite des Kanals lohnt sich. Auch beim Hafenspaziergang wird allerhand gesprüht. Farbe und Stadtgestaltung sind in diesem Jahr zentrales Thema.

 

Besonders interessant werden zum Hafenspaziergang wohl die Veränderungen an der Speicherstraße sein. Das Großprojekt Hafen kommt voran. Exklusiv am 1. September öffnet der Speicher 15 seine Tore. Die Speicherstraße 15 soll bald zum sozialen Projekt HEIMATHAFEN umgestaltet werden. Beim Hafenspaziergang kannst Du das alte Gebäude nochmal in seinem ursprünglichen Zustand begutachten.

 

Die Zukunft wird zeigen, wie Wirtschaftlichkeit und die Bewahrung von Charakter und Geschichte zusammen funktionieren. 2018 hast Du noch einmal die Chance, den Hafen in seinem rockigen Industrie-Charme zu genießen.