Geschichten aus Dortmund

Menschen aus Dortmund

„Ich wohn‘ in einem Dorf, im Kreuzviertel-Dorf“, lacht Karin, als wir mit ihr gemütlich in ihrem Ladenlokal milio sitzen. Seit 20 Jahren lebt Karin nun schon im Kreuzviertel und findet es einfach großartig dort. Gebürtig kommt sie aus Lünen, aber bleiben will sie in Dortmund.

Dortmund ist also ein Dorf, haken wir grinsend nach? "Klar, wir befinden uns hier mitten in der Stadt und demnach sind wir alle Stadtkinder. Aber nach 20 Jahren merke ich, dass hier im Kreuzviertel eigentlich jeder jeden kennt. Man begegnet sich auf der Straße, beim einkaufen, im Treppenhaus. Hier lebe ich nicht nur, hier arbeite ich auch. Meine Kinder gehen hier zur Schule. Die Großstadt ist für mich zum Dorf geworden - im positiven Sinne!"  

 

Während des Architekturstudiums in Dortmund, blieb sie zur Miete in Lünen, denn das war günstiger. Als Karin dann nach dem Studium ihren ersten Job in Lüdinghausen antrat, wollte sie die in Dortmund geknüpften Freundschaften nicht hinter sich lassen und zog ins Kreuzviertel. Immer wenn Wohnungstechnisch ein Tapetenwechsel anstand, zog sie mal ein, zwei Straßen weiter oder wechselte einfach das Stockwerk. Sie lernte ihren Mann kennen, die Wohnung wurde größer. Ein Weilchen später kam dann der gemeinsame Sohn Luis dazu und kurz danach sein Bruder Emilio. Das Kreuzviertel wurde zur Heimat für die ganze Familie.

 

Umso heimeliger Karin sich in ihrer Umgebung fühlte, desto unwohler fühlte sie sich im Job. "Die Architektur war einfach nicht meins. Schon das Studium war mehr Zweckentscheidung als Vollfüllung eines Traums.“ In ihrer Elternzeit mit Emilio entdeckte sie rein zufällig eines der in ihr schlummernden Talente: schöne Dinge an den Mann bringen. „Während des Studiums habe ich immer mal wieder genäht, dann längere Zeit nicht mehr. Aber als ich dann für Emilio ein größeres Mützchen brauchte, das allerdings vergriffen war, habe ich mich wieder an die Maschine gesetzt. So entstanden auch Wickeltasche und Strampler. In der Krabbelgruppe kamen meine Designs so gut an, dass ich immer öfter nebenbei auch für andere Muttis genäht hab‘. Aus nebenbei wurde irgendwann mehr - halbtags im Architektenjob, halbtags im "Nähstudio daheim" - und dann kam der Moment, an dem ich mir dachte, Ein eigener Laden. Mensch, das wär’s doch. Ich einen Plan aufgestellt, Zahlen und Kosten geprüft, hab‘ mich umgeschaut und bin immer wieder hier an der Schillingstraße 21 vor dem dem schönen Eckladen stehengeblieben. Als ich durch Zufall von einer Bekannten erfahren habe, dass der Laden bald leer steht, hab‘ ich kurzen Prozess gemacht, alle Hebel in Bewegung gesetzt, den Vermieter kontaktiert und von meinem Konzept überzeugt.“ Schwups, damit hatte milio ein festes Zuhause, das nun bald sieben Jahre besteht. Karin ist glücklich mit ihrer Entscheidung von damals. Die Selbstständigkeit hat zwar ihre Tücken, aber Karins Augen strahlen auch heute, wenn sie von der Entstehungszeit, von ihrem Alltag, ihren Ideen, von dem was sie antreibt berichtet.

 

Das Salsa tanzen vermisst sie. Denn früher ist sie mindestens dreimal wöchentlich losgezogen und wirbelte im Balou oder im Westpark zu Salsaklängen herum. Der eigene Laden nimmt viel Zeit in Anspruch, "so ist das nunmal. Aber Salsa...", nimmt sie sich vor, "muss diesen Sommer unbedingt mal wieder sein!" Aber erstmal stehen auch noch ein paar Termine außerhalb der eigenen vier Ladenwände an. So findest Du sie beispielsweise auf der KREATIV.MEILE des Juicy Beats Festival im Westfalenpark, dort präsentiert sie dann vor allem hübsche Kleider, taschen und genähten Schmuck. Sag' ahoi, wenn Du auf dem Festival unterwegs bist!