Geschichten aus Dortmund

Menschen aus Dortmund

Einfach losziehen und hübsche Motive oder eben auch nicht so hübsche Dinge ablichten, das liegt Nikole Regadas Rodrigues – oder nikoletta_ausm_pott, wie sie sich bei Instagram nennt – seit ihrer Jugend. Damals schon, in den 90ern, knipste sie, was das Zeug hielt.

 

Die allerwichtigste Besorgung vor dem Urlaub oder der anstehenden Klassenfahrt war eine Hand voll Filmrollen. Und dann hat sie einfach alles festgehalten: lustige Momente mit den Freundinnen, kleine Abenteuer, die Familie, Sehenswürdigkeiten. Alles. Heute, in ihren Dreißigern, fasziniert sie vor allem das Stadtbild ihrer Heimat Dortmund. Eins hat sich aber nicht geändert: die Kamera ist fast immer dabei.

 

Aufgewachsen ist Nikole in der Nordstadt, auf der Münsterstraße, gleich gegenüber dem ROXY-Kino. Nicht grade die schönste Ecke Dortmunds, werden viele jetzt denken. „Es muss aber doch auch nicht immer das geschniegelte Perfekte sein“, sagt Nikole. Grade das Nichthübsche ist doch viel interessanter. Ecken und Kanten können schön sein, geben was her und machen Dortmund aus – dazu sollten wir hier in der Stadt stehen.

 

Fotografie, hören wir schnell während unseres Gesprächs heraus, ist für Nikole das Festhalten eines Gefühls. Auf ihren Bildern erkennen wir Gelassenheit, Umbruch, Glück oder Tristesse, mal ist sie offenbar in aller Frühe aus dem Bett gekrochen, um den Morgendunst einzufangen, mal begibt sie sich in den Funkenregen eines Feuerkünstlers, dann knipst sie spontan auf dem Weg ins Büro oder hält ganz bewusst die schlichte Eleganz eines Hochhauses fest. Ihre Bilder sind vielseitig und spiegeln genau das wider, was sie auf ihren Fototouren lebt: Spontanität. „Ich plan da meistens nix. Nach der Arbeit zieh ich los und lass mich treiben, ganz egal wohin. In den Rombergpark, auf den Deusenberg, zur Kokerei Hansa oder zum Dortmunder U“, lacht sie herzlich. „Es ist einfach unfassbar, wie oft ich das Dortmunder U fotografiert habe. Das ist mir beim Durchforsten meines Archivs für LIEBLINGSSTADT tatsächlich erst aufgefallen. Ich muss aber auch sagen, das Motiv hat einfach Potential und bleibt spannend.“ Oh ja, nicht nur die Fliegenden Bilder, auch der Wandel im Quartier, das Wetter, die Beleuchtung oder das Museum am Ostwall halten das U auf Trab und bringen immer auch Veränderung. Ja, da hat Nikole recht, das U ist spannend.

 

Die olle Kamera von damals sorgte für tolle Erinnerungen: „Wir sind zu sechst oder siebt ab in den Drogeriemarkt und haben die entwickelten Bilder abgeholt und uns dann kaputtgelacht, was da alles bei rumgekommen ist“, erinnert sie sich. Moderne, digitale Spiegelreflexkameras haben zwar das Überraschungsmoment abgelöst, aber das Spiel mit Licht, Schatten, Farbe, Stillstand oder Bewegung, die Arbeit mit Blende, Brennweite und Belichtung machen so viel mehr möglich und befeuern das Fotografen-Herzblut, das auch in Nikole fließt.

 

Nikole Regadas Rodrigues ist 35 Jahre alt, am Institut für Schulentwicklungsforschung der TU Dortmund beschäftigt und leitet dort die Verwaltung des Arbeitsbereichs von Professor Dr. Wilfried Bos  Sie ist gerade erst mit ihrem Mann Christian nach Dortmund Barop gezogen. Hier macht es sich die junge Familie mit ihrer sechs Wochen alten Tochter Valentina gemütlich.