Geschichten aus Dortmund

Menschen aus Dortmund

Laura ist passionierte Foodbloggerin. Also... eigentlich. Vor ein paar Monaten rief sie das soziale Projekt "Für Leib und Seele" ins Leben. Die Idee: Ein Gast in einem Café bezahlt sein Getränk doppelt. Der Kaffee/ Tee/ Kakao... wird auf einem Gutscheinkärtchen notiert und im Café hinterlegt. Bei Bedarf kann ein hilfebedürftiger Gast den Gutschein einlösen. Laura möchte mit ihrem Projekt Dortmunder verschiedenster Hintergründe an einem Tisch zusammenbringen. Wir finden's toll und sagen: weiter so!

Laura begrüßt mich herzlich. Bereits an ihrem Händedruck erkenne ich, dass in diesem zarten Persönchen mehr Power steckt, als auf den ersten Blick vielleicht erkennbar. Laura hat derzeit sehr vollgepackte Tage: Cafébesitzer treffen, Blogtexte schreiben,  Gutscheinkarten drucken, Interviews geben und nebenher auch noch irgendwie Vollzeit arbeiten. Laura bleibt locker und vollauf positiv. „Ach, das ist doch alles Freizeitstress“, sagt sie und lacht. Im Endeffekt quatschen wir eine gute Stunde. Denn, zu bequatschen gibt es in Lauras Leben derzeit ganz schön viel.

 

Laura ist ein Ruhrpott-Kind - geboren in Bottrop und seit anderthalb Jahren in Dortmund heimisch. Dortmund gefiel ihr auf Anhieb - vor allem der bunte, lebendige Charakter der Stadt. Etwa zur selben Zeit startete Laura ihren Foodblog Für Leib und Seele. Laura ist leidenschaftliche Hobby-Bäckerin und vegane Koch-Enthusiastin. Auf ihrem Blog teilt sie Rezepte und Backideen, die sie selbst begeistern. Ihre Leser freut’s. Alle paar Tage teilt Laura ihre ganz persönlichen Genussmomente mit ihnen. Ob mit saftigen Apfelkuchen, knusprigen Fühstückscookies oder gesunden Chia-Puddings – Laura erzählt in ihren Bildern und Rezepten von der Schönheit des Selbermachens und der Freunde am Geschmack. Lauras Konzept kommt an. Allein auf Facebook  folgen ihr bereits einige Tausend Genuss-Verrückte.

 

Die vielen Klicks motivierten zu mehr. Laura überlegte sich, dass es doch toll wäre, die Reichweite des Blogs zu nutzen, um  etwas Gutes zu tun. Irgendwie mussten sie und ihre stetig wachsende Community doch helfen können. Aber, wenn sich engagieren, dann wofür? – und wie? Und, würden ihre Leser sie überhaupt unterstützen?  Fragen über Fragen und keine so richtig zündende Idee.

 

Irgendwann im Frühjahr spazierte Laura mit einem frisch aus Afghanistan angekommenen, neu gefundenen Freund durch Dortmund. Es war kalt. Lauras erster Gedanke: ein nettes Café suchen und sich im Warmen weiterunterhalten. Bevor sie ihren Vorschlag aussprechen konnte, kam ihr aber etwas anderes in den Sinn. Hatte ihr neuer Kumpel überhaupt das Geld für einen Kaffee und ein Stück Kuchen? Und wenn nicht: Würde er sich von ihr einladen lassen? Nach längerem Grübeln wurde Laura bewusst, dass es eine ganze Reihe von Menschen geben musste, der diese Genussmomente verwehrt blieben. Wenn du gezwungen bist, mit wenig hauszuhalten, kannst du dich nicht mal eben auf ein Käffchen treffen.

 

Laura fand das irgendwie unfair und begab sich an die Recherche. Sie stieß auf die neapolitanische Idee des „Caffè Sospeso“ – einen  (zu Deutsch) „aufgeschobenen Kaffee“. Die Idee: Besucher eines Cafés bezahlen ihren Kaffee doppelt – das Café notiert es – der aufgeschobene Kaffee wird an einen Bedürftigen ausgeschenkt. Laura war direkt Feuer und Flamme. Sowas würde in Dortmund doch sicher auch funktionieren. Mit Freude stellte Laura fest, dass es bereits Projekte gab, die versuchten, den Geist diesen Brauchs  auch in deutschen Städten zu etablieren.  Laura machte sich sofort daran, Kontakt aufzunehmen – zu ihrem Bedauern mit eher mäßigem Erfolg. Sie war auf sich allein gestellt.

 

Da Aufgeben nicht Lauras Stil ist, wurde einfach geklotzt. Ein Titel für das Projekt war schnell gefunden. Der Name ihres Blogs – Für Leib und Seele – war so Programm, dass Laura ihn einfach beibehielt. Laura entwarf Gutscheinkärtchen, die einladende Gäste ausfüllen und in ihrem Lieblingscafé hinterlegen konnten. Auch bei Für Leib und Seele bezahlt der einladende Gast einfach doppelt. Bei Bedarf kann der Gutschein von einem hilfebedürftigen Gast eingelöst werden. Soweit so gut. Das Projekt stand. Aber irgendwie musste Laura ja noch Dortmunds Cafébetreiber von ihrer Idee überzeugen. Mit viel Aufregung im Bauch ging’s zum ersten Termin zum Grünen Salon im Dortmunder Norden. Als ihr die Mädels vom Grünen Salon auf Anhieb für ihre „geile“ Idee gratulierten und ihr ihre Unterstützung zusicherten, konnte Laura ihr Glück kaum fassen. Mit so viel Begeisterung hatte sie nicht gerechnet.

 

Seit über einem Monat läuft Für Leib und Seele nun. Neben dem Grünen Salon sind auch das Café Plus, die Bäckerei Dahlmann, die Küchen-Wirtschaft Bismarck, das LUUPS und die Wohnzimmer CafeBar Teil des Projekts. Im ersten Monat sind im grünen Salon bereits 55 Gutscheine über den Tresen gegangen. Die Cafés und ihre Besucher sind begeistert.

 

Im Moment ist Laura eine sehr gefragte Frau. Auf ihrem Blog teilt sie alle paar Tage ein neues Zeitungs- oder Fernsehinterview. Laura weiß, dass es wichtig ist, die mediale Aufmerksamkeit zu nutzen, um Für Leib und Seele voran zu treiben. Natürlich nimmt so viel Öffentlichkeitsarbeit viel Zeit in Anspruch. Aber Laura sieht’s entspannt. Bei ihr überwiegt die Dankbarkeit. „Wenn ich mitbekomme, wie Leute wirklich ein Gutscheinkärtchen einlösen, dann ist das einfach toll. So ein Lächeln gibt dir so viel zurück. Manchmal komme ich mit Gästen ins Gespräch und sie sagen mir: Was für eine schöne Idee, das hätte ich sonst nicht machen können“.