Geschichten aus Dortmund

Menschen aus Dortmund

Als wir das Modeatelier von Anna Hörling betreten, werden wir mit einem fröhlichen „hallo, schön, dass Du hier bist“ begrüßt. Annas gute Laune und sympathisches Lachen sind ansteckend, der stressige Mittag ist direkt verflogen. Wir sitzen inmitten von bunten Stoffen, vielfältiger Muster und einzelner Entwürfe. Annas Steckenpferd sind Kleider, in allen Formen, darunter Brautkleider oder Haute Couture, aber auch Kostüme für jeden Anlass, Sommerkleidchen undundund. Anna kann Dir im Grunde alles nähen, maßgeschneidert, abgestimmt auf Deine Figur und immer Deinen Wünschen entsprechend. Modedesign ist Annas Passion. Das wurde eigentlich schon bei der telefonischen Terminabsprache glasklar, denn da plauderte sie schon drauf los und deutete an, sie hat viel zu erzählen. Ganz viel Herzblut steckt sie ins Atelier und ihre Entwürfe, sie ist mit so viel Spass dabei, da wollen wir mehr erfahren. Wieso, weshalb, warum und überhaupt, wann fing das alles eigentlich an?

Schon früh war das Ziel klar: Modedesignerin. Um die besten Grundlagen für diesen Beruf zu bekommen, begann Anna ihre Ausbildung zur Schneiderin im Modeatelier Szoltysik, die sie als Kammersiegerin der Handwerkskammer Dortmund abschloß. Wenig später fiel dann - auch dank der Unterstützung ihrer Eltern - die Entscheidung ein Studium dran zu hängen. „Noch mal ins Ausland“, erklärt Anna, „davon hatte ich lange geträumt.“

 

In London, am Rose Bruford Drama College erfüllte sich ihr Wunsch eines Kostüm- und Bühnendesignstudiums. „Mit dem Platz damals habe ich gar nicht mehr gerechnet“, lacht sie, „ich dachte, ich hätte das Interview maßlos verk…, ähm, verhauen. Die wollten wissen, welche Theateraufführungen ich denn zuletzt gesehen hätte. Mensch, ich war vielleicht mal zu Schulzeiten in irgendwelchen Kinderaufführungen! Aber überzeugt habe ich dann wohl doch und es folgte mitunter die schönste Zeit meiner Ausbildung. Ich fahr‘ noch immer mindestens einmal im Jahr rüber und besuche Freunde. Das war schon schön damals!“ Aber Anna freut sich nach einem kleinen Ausflug auf die Insel auch wieder zurückzukommen. Nach Dortmund. „Zurück ins Kreuzviertel. In mein kleines Dorf hier“, grinst sie. „ist schon verrückt, ist aber tatsächlich so, denn meine Sohn, Elvis, geht hier zu Schule, hier leben wir, hier ist mein Atelier. Hier spielt sich eben ganz viel meines Lebens ab. Ich kenn meine Nachbarn, kenn die Menschen die täglich an meinen Ladenfenstern vorbei gehen."  Anna hat sich in der Großstadt ihr Dorf gesucht und Heimat gefunden.

 


Nach dem erfolgreichen Abschluß des Studiums trat Anna eine dreijährige Ausstattungsassistenz im Theater Dortmund an und sammelte weitere Praxiserfahrungen, konnte mit zahlreichen
bekannten Bühnen- & Kostümbildnern, Regisseuren und Choreographen zusammenarbeiten, ihr Spektrum erweitern und traf schließlich die Entscheidung in die Freiberuflichkeit zu wechseln.

 

Jetzt hat sie die Möglichkeit ihr Können nicht nur auf der Bühne zu präsentieren, sondern unser aller Garderobe aufzufrischen. Aber wie läuft das denn genau ab, wenn man etwas maßgeschneidert bekommt, wollen wir wissen? „Wenn mich eine Kundin besucht, sprechen wir über seine Vorstellungen. Ich berate, spreche ab was denn besonders vorteilhaft wäre und gehe mit ihr ihre Wünsche durch. Mal bringt jemand einen Zeitschriftenschnipsel mit, mal ein Foto von nem Kleidungsstück, dass man vor vielen Jahren besessen hat. Wir unterhalten uns vielleicht ein wenig und ich lenke den Blick(punkt) dorthin wo sie sich am liebsten mag. Dann fertige ich kleine Zeichnungen an, schließlich Schnittmuster und dann irgendwann geht’s mit der ersten Anprobe weiter.“ Die Abstimmungs- und Entstehungsphasen machen ihr Spaß, sagt sie und das glauben wir gerne. Richtig leidenschaftlich wird Anna, als sie uns von den Brautkleidern erzählt, die sie für ihre Kundinnen schneidert, denn da kann sie natürlich noch mal ganz anders mit den Stoffen spielen und diese ins Fließen bringen als bei einem Bleistiftrock.

 

Anna packt eigentlich alles mit Leidenschaft an, trifft viele Entscheidungen aus dem Moment heraus – so entstehen aber eben auch viele tolle Synergien, wie beispielsweise die Zusammenarbeit mit der Neven Subotic Stiftung. Als Anna vor einigen Jahren nach Dortmund zog, hatte sie so gar nix mit Fußball am Hut. Das war 2005/2006. Dann kam die WM nach Deutschland, nach Dortmund. „Die Atmosphäre damals fand ich so klasse. Ich bin damals durch die Stadt gelaufen und hab‘ gedacht geil, es gibt kaum was anderes, was so eine tolle Verbundenheit, eine so tolle Stimmung schaffen kann wie Fußball. Wenig später sind wir ins Kreuzviertel gezogen und hier kommt man ja gar nicht um das Thema BVB und Fußball drumherum. Dann kam Kloppo. Ja, und dann steckte auch ich mitten im Thema... was natürlich auch meine Kreativität beeinflusst hat. Als es dann immer deutlicher wurde, dass der BVB Meister wird, hab‘ ich überlegt: Mensch, was ziehst Du denn an?! Und dann PENG. Da war der Entwurf für ein tolles BVB Kleid da.“

Später versteigerte Anna das Kleid zu Gunsten des Kinderschutzbundes Dortmund. Durch Zufall entstand der Kontakt zur Neven Subotic Stiftung, die hier in Dortmund sitzt und mit viel Engagement Schulen und Gemeinden in Äthiopien mit ortsnahen Wasserzugängen unterstützt. Anna schneidert die T-Shirts, die das Team während der Äthiopienreisen trägt und die es in bestimmter Stückzahl dann auch zu bestellen gibt - der Gewinn fließt dann immer in die Stiftung.

 

Wir stöbern noch schnell mit Anna durch den hinteren Bereich. Überall hängen Skizzen, liegen Stoffmuster, finden sich Auslagen mit Garn in allen Farben und hängen Kleider, an denen sie grade werkelt. Wenn das keine Kreativwerkstatt ist... "Aber hier ist auch Struktur drin. Wirklich!", lacht Anna. Besuch' Anna doch auch mal, ihre Kleider sind natürlich etwas teurer, als die aus der Massenproduktion, dafür halten sie ihre Form und das auch über einen längeren Zeitraum. Hier gibt's Beratung, gute Laune, n Tee oder Wasser noch oben drauf. Ab in die Arneckestraße 42!