Geschichten aus Dortmund

Stadtteilsafari

Gradlinig, blitzblank, aufgebrezelt – Worte, die Außerstädtische kaum mit unserer Lieblingsstadt in Verbindung bringen würden. Der einstige Arbeiterstadtteil Hörde ist zum Wohn-, Erholungs- und Erlebnisraum schlechthin avanciert. Das Großprojekt Phoenixsee zieht Flanierwütige von nah und fern an seine unantastbaren Ufer und das einst verlassene Phoenix-West-Gelände ist das Ausreißziel für den Feierabend. In Hördes historischen Gassen verstecken sich bemerkenswerte Traditionsbetriebe und viele kreative Macher. Pessimisten mögen die Gentrifizierung verteufeln – wir, die ewigen Optimisten, feiern die kreative und industrielle Tradition des Stadtteils, klopfen auf Holz und hoffen, dass die großen Pläne denn aufgehen. Jetzt liegt es an Dir. Runter von der Couch, ab auf Stadtteilsafari – Hörde entdecken.

Wie Phoenix aus der Asche

 

Stell Dir vor, es gäbe einen Ort, an dem Dortmunds Kreative und junge Unternehmen im Schulterschluss arbeiten; eine Markthalle mit Cafés und Co., eingebettet in eine Dir wohl bekannte Industriekulisse. So oder so ähnlich soll das historische Schalthaus auf Phoenix West in ein paar Jahren aussehen. Ambitioniert. Noch vermessener scheinen die Pläne für den altehrwürdigen Hochofen. Die frischgebackenen Besitzer, das internationale Unternehmen Walas, planen Großes. Konkret: die (bereits jetzt) sagenumwobene blaue Welle, die das Herz des Phoenix gläsern durchspülen soll. Außerdem: Skywalk. Den kannst Du natürlich auch so begehen. Bis zu schwindelerregenden 70 Metern Höhe führt die Tour durch das Innere des Hochofens. Wir haben’s gewagt, beim Aufstieg einige Nerven gezeigt und vom obersten Punkt triumphierend den Blick über unsere Lieblingsstadt schweifen lassen. Buchen kannst Du bei verschiedenen Anbietern in Dortmund. Musst Du als Dortmunder gesehen haben!

 

In Sachen leibliches Wohl

Auf die großartige Gipfelstürmung erstmal eine deftige Brotzeit. Von Montag bis Donnerstag, 10 bis 15 Uhr, versorgen Dich Pottkoch Andreas und sein knallgelber Foodtruck mit Leckereien auf die Hand. Den ehemaligen amerikanischen Schulbus hat Andreas in Eigenarbeit zu einer mobilen Küche umgebaut. Seit jeher hat der Foodtruck Dortmund seinen Stammplatz auf dem Vorplatz des Hochofens und beglückt alle Vorbeikommenden mit schmackhaften Eintöpfen, Salaten und frischen Burgern.

 

Wusstest Du, dass in vielen Regionen Chinas gar nicht Reis das Lebensmittel Nummer eins ist? In Dornas Heimat, der Inneren Mongolei, zum Beispiel, sind es ganz herrliche Hefeteigtaschen. Jiaozi – oder Dumplings – heißen die saftigen kleinen Leckerbissen. Gefüllt sind sie mit ganz viel Geschmack – mit Morcheln und Glasnudeln oder auch Lamm und Rotkohl. Dorna und ihr Mann Alexander haben sich in ihrem Hörder Restaurant JIA – The Taste of Home auf Jiaozi und chinesische Nudeln spezialisiert. Wir haben uns bereits durch einige Empfehlungen des Hauses gefuttert und können gar nicht genug kriegen. So ganz typisch chinesisch geht es bei JIA dann aber doch nicht zu. Alexander ist Craftbeer-Experte. Zu Deinen Nudeln mit gezupftem Huhn kannst Du so vollmundige Stouts oder erfrischende IPAs aus aller Herren Länder genießen. Du glaubst es kaum, aber die Verbindung geht auf.

 

Noch nicht satt? Weiter geht’s zu Schürmann’s Hafenkantine, direkt an der Kaipromenade des Phoenixsees. Die Idee: guter, ehrlicher Mittagstisch vor gelassener Seekulisse. Durch die große Fensterfront hast Du einen tollen Panoramablick auf den Phoenixsee. Die langen Tische laden zum Zusammensitzen und Geschwätzigsein ein. Alle paar Tage zaubert Smutje Daniel eine neue Wochenkarte hervor. Gleich bleibt: Du hast die Auswahl zwischen fünf Hauptgerichten. Es gibt immer einen Eintopf oder ein Süppchen. In der Hafenkantine geht die Brotzeit bis zum späten Abend – die Küche hat bis 21 Uhr geöffnet.

 

Sauleckeres Sushi bekommst Du ein paar Schritte weiter, bei Best Friends Sushi. Ob die Best-Friends-Rolle mit knusprigem Gemüse-Tempura, zartem Lachs & hausgemachter Mayo oder auch die Phoenix-Rolle, gekrönt mit Avocado – bei Best Friends bekommst Du astreine Qualität und ganz viel Geschmack.

 

Mate, Empanadas und verdammt gutes Fleisch. Das Chimichurri ist ein Lobgesang auf Dirk Kalthoffs Heimat Argentinien. Im kunterbunten Schankraum kommt argentinisches Streetfood der Spitzenklasse auf den Tisch. Auch Vegetarier kommen im Chimichurry vollends auf ihre Kosten; zum Beispiel mit Auberginen-Schnitzel oder heißem Provolone-Käse (ein italienischer Käse nach argentinischem Rezept). Dazu empfehlen wir Dirks argentinischen Cocktail mit Matetee, Orangensaft, Cranberrysaft und Triple Sec. Immer dabei, klar, eine Portion Chimichurri. Die traditionelle Kräutersauce darf bei keinem argentinischen Grillfest fehlen.

 

 

Von wegen „Klein“-Kunst

Das Cabaret Queue kam an die Herrmannstraße, als Hörde noch krasser Kiez war. Der Stadtteil hat sich verändert. Gleich geblieben sind das kurzweilige Bühnenprogramm und das leckere Essen im Lokal an der Ecke. Seit 34 Jahren schmeißt Georg den Laden frei nach dem Motto „Lachen, live und lecker“. Küchenchefin Asteria beglückt Dich mit mediterraner Küche aus ihrer Heimat Griechenland, während im Saal nebenan Kabarettgrößen aus der Region die Bühne rocken. Mitsingen kannst Du auch – alle paar Wochen, bei Stefan Nussbaums „Mitsingding“. Komm für die Unterhaltung und bleib auf einen Teller Pasta Gambaretti und ein schönes kühles Pils. Mmh, lecker.

 

Das Wohnzimmer ist umgezogen – vom Neumarkt an den Piepenstockplatz. Der singende Kulturwirt, Marco Rudolph, und sein Team haben die ehemalige Kneipe an der Schildstraße 1 mit neuem Leben gefüllt. In alter Manier spielen am neuen Ort jedes Wochenende nationale und internationale Liedermacher und Musikkombos. Jeden ersten Donnerstag im Monat kannst Du sogar selbst die Bühne stürmen – in der Nacht des offenen Mikrofons. Einfach nur zuhören geht natürlich auch. Mach’s Dir auf den scharlachroten Sitzmöbeln bequem, gönn Dir eine stilechte Currywurst und tank echte, gute Musik. Wer diesen Sommer ins Wohnzimmer Piepenstock kommt, siehst Du in unseren “Besonderen Terminen”.

 

In Frau Saubermanns Keller geht es hoch her. Die Schmuddels sind da und haben nur Flausen im Kopf. Seit 1978 gibt es das Turbo Prop Theater. Ursula und Rüdiger Eggert kreieren in ihrer Werkstatt die dollsten Theaterpuppen. Die selbstgeschriebenen Stücke werden auf der hauseigenen Bühne gespielt oder im Rahmen von Workshops an die Schulen in der Umgebung getragen. Ein ewiger Dauerbrenner ist das Stück „Die Schmuddels“. Die Helden sind ausrangierte Bürsten, Besen und Mops, die das Ehepaar Eggert zu witzigen Figuren mit ganz individuellen Persönlichkeiten modelliert hat. Figurentheater ist der absolute Renner bei den Kids und auch Erwachsene werden sich den ein oder anderen Lacher nicht verkneifen können, wenn Beppo Besen erstmal mit seiner Ruhrpottschnauze loslegt. Jeden Monat präsentiert das Turbo Prop Theater außerdem die Reihe „Kino in Hörde“. Der Eintritt ist kostenlos.

 

 

Und klamottentechnisch?

Seit 2017 hat Clara nun ihr Atelier an der Wellinghofer Straße und es ist so klein und so fein. Angefangen hatte alles mit Taschen, jetzt gibt’s vom Eine-Frau-Label Clara Himmel auch Schmuck, weitere Accessoires und Klamotten. Der Stil ist minimalistisch, gradlinig und doch hat jedes Teil seinen eigenen Wow-Faktor. Clara produziert mit ihrem Team vor allem selbst in Dortmund. Ihre Schnitte sind so geplant, dass möglichst wenig Material im Mülleimer landet. Komm rum auf einen Schnack und finde Dein neues Lieblingsteil – wundervoll zeitlos und ein echter Hingucker.

 

 

Der ultimative Ausreißort

Sie ist bewundernswert, die Koexistenz, in der Tuner, MAMILs („Middle-aged Men in Lycra“), Hundebesitzer und Bierliebhaber auf Phoenix West ihre Freizeit verbringen. Die Autoenthusiasten haben die Westseite des weitläufigen Geländes längst zu ihrer Flaniermeile erkoren. Es geht ums Sehen-und-gesehen-Werden. Neben ihnen ziehen Männer mittleren Alters in engen Radlerhosen auf polierten Sportstachos ihre Runden. Wer nur rechts abbiegt, braucht nicht für den Gegenverkehr zu bremsen. Der reibungsarme Asphalt und die langen Geraden machen das Phoenix-West-Gelände zur perfekten Zeitfahrstrecke für passionierte Rennradler. Die ersehnten Elektrolyte gibt es gleich nebenan, an der Stehbierhalle der Bergmann Brauerei. Binnen weniger Monate ist die Bierhalle zu einem beliebten Ausreißort für den Feierabend geworden. Von Donnerstag bis Sonntag kannst Du hier ein eiskaltes Bergmann Spezial schlürfen und wirst obendrein von immer wechselnden Imbisswagen kulinarisch versorgt. So lässt es sich leben. La dolce vita an einem Ort, an dem früher richtig beinhart geschackert wurde. Aber wie lautet noch das Motto der Bergmann Brauerei? Harte Arbeit, ehrlicher Lohn. Genau.

 

 

Kennste nicht? Musste probieren:

  • Ein Gänge-Menü in Rödels Kochlokal. Rödels Kochlokal ist eine Institution. Bei jedem Besuch wirst Du mit einer noch gewiefteren Leckerei überrascht. Familie Rödel und ihr Team kochen saisonal und innovativ. Gönn Dir und Deinen Liebsten mal einen Ausgehabend der Extraklasse. Nun stellt sich nur noch die Frage, ob es drei oder gar acht Gänge sein sollen.
  • Einen Schoko-Schoko-Cupcake aus der Patisserie  & Chokolaterie Monika Wechsler. Der zergeht auf der Zunge und macht Dir ein so wohliges, glückseliges Gefühl im Bauch, wie es nur erlesene Schokolade kann. Monika Wechsler ist eine Meisterin ihres Fachs. Beim Anblick der zierlichen Pralinen und formschönen Törtchen läuft Dir das Wasser im Mund zusammen, das Geld ganz wie von selbst aus dem Portemonnaie und der süße Großeinkauf, hops, in Deine Tasche.
  • Scratchen am Youpoint. Am östlichen Ende des Phoenixsees, im Schatten der Autobahnbrücke, gibt es seit diesem Sommer den Youpoint. Ein Ort für Jugendliche und Junggebliebene zum Sonnenbaden im Strandkorb, Springen und Abrollen auf dem Parkourplatz und Scratchen an den Turntables. An die robuste DJ-Station kannst Du sogar Deine eigene Musik anschließen und freudig drauflosmixen.
  • In (den) See stechen. Mit dem Bootsverleih am Phoenixsee geht’s für Dich im marineblauen Ruderboot raus auf die Wogen. Für 10 € kannst Du eine halbe Stunde, für 15 € eine ganze Stunde fröhlich drauflosschippern.
  • Eine Tasse „Hörder Mischung“ schlürfen. Das Röstwerk an der Hörder Rathausstraße ist der wahrgewordene Traum aller Kaffeeliebhaber. Die leidenschaftliche Kaffeetrinkerin Susanne Bräuning bietet im Röstwerk 16 verschiedene Kaffeesorten, eine große Auswahl an Tees, feinste Schokolade und leckeren Kuchen an. Der Kaffee wird im Röstwerk in einem Langzeitverfahren schonend verarbeitet. Dadurch  ist der Röstwerk-Kaffee besonders aromatisch und gut bekömmlich.