Geschichten aus Dortmund

Hinter den Kulissen

Das Haarwerk im Kreuzviertel ist längst Lieblingsort, hier fühlen wir uns pudelwohl und unsere Haare sind in den besten Händen. Das kommt nicht von ungefähr. Jörn Ulrich hat ein klasse Team aufgebaut. Wieso, weshalb, warum – wir haben nachgehakt und rausgekommen ist eine kleine Lobhudelei auf das Handwerk und das Haarwerk.

 

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Vor Kurzem hat eine von Jörns Mitarbeiter(inne)n ihr 20-jähriges Betriebsjubiläum gefeiert. Und eigentlich feiern sie hier jedes Jahr ein kleineres oder größeres Jubiläum. Die Mitarbeiter(innen) sind zufrieden, die Teamarbeit verläuft harmonisch – spricht für einen guten Chef, oder? „Ich versuche eben alle, so gut es geht, einzubeziehen“, erklärt er, „ob mich das zu einem guten Chef macht, das weiß ich nicht.“ Seit rund 23 Jahren führt Jörn seinen eigenen Betrieb. Die Lehre hat er in Lünen absolviert. „Ich muss betonen, das war ein sehr guter Betrieb. Trotzdem habe ich mir damals bei verschiedenen betriebsinternen Abläufen gedacht: Wäre ich selbstständig, wäre ich Chef … dann würde ich das anders machen.“ Dann hat er den Schritt gewagt, seinen eigenen Friseursalon eröffnet und es anders gemacht.

 

„Ich versuche an all meinen 12 Mitarbeiter(innen) dran zu sein. Da mein Team nicht nur aus Vollzeitkräften besteht, ist das nicht immer so einfach. Denn wir haben hier fast alles: einige arbeiten in Vollzeit, andere 30 oder 35 Stunden die Woche, wieder andere nur 10 Stunden. Aber das macht unseren Betrieb auch wunderbar flexibel.“ So konnte eine seiner Mitarbeiterinnen, die nach der Geburt ihres Kindes mit vier Stunden in den Beruf zurückkehrte, inzwischen auf 10 Stunden erhöhen. Eine andere konnte zur Einschulung der Tochter die 35-Stunden-Woche reduzieren. „Das macht mir natürlich auch Freude, wenn jemand an mich herantritt und wir das optimal für alle lösen können.“ Ein Teammeeting alle zwei Monate, spätestens alle drei Monate hilft Jörn dabei, tatsächlich dran zu bleiben. Nicht schlecht, denken wir – das gibt’s nicht überall.

 

Mal Hand aufs Herz – wann ärgert man sich denn mal als Chef? „Ach, ärgern ist da das falsche Wort. Sagen wir mal, es wird ab und an schwierig. Zum Beispiel, wenn der Krankenstand hochgeht. Aber so ist das im Herbst und Winter – kann man meist nix machen. Als Friseure haben wir berufsbedingt Kontakt zu vielen Menschen.“ Und wir, die wir im Friseurstuhl sitzen, nehmen auch mal mit der Rotznase Platz. „Genau. Nein, Quatsch. Schuld hat da niemand. Aber da mach ich mir als Chef natürlich mehr Gedanken als meine Mitarbeiter – schließlich muss ich die krankheitsbedingten Lücken schließen, um unsere Kunden weiterhin glücklich zu machen.“

 

Regelmäßige Fortbildungen, kleinere Seminare und jährliche Konzeptionstreffen tragen dazu bei, dass wir als Kunden zufrieden den Laden verlassen. Vom Grundprinzip her kann sich jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter zu Beginn des Jahres Seminare aussuchen. „Wenn jemand meint, da könnte er noch was dazulernen, dann kann er das. Tatsächlich wird das weniger in Anspruch genommen, als es tatsächlich ginge.“ Ist das an dieser Stelle also ein kleiner Aufruf an seine Mitarbeiter(innen)? „Warum nicht, ja“, lacht Jörn. „Ich möchte schließlich, dass wir alle auf einem Level bleiben, und darum habe ich das Konzeptionstreffen eingeführt. Letztendlich ist das nichts anderes als ein handwerkliches Teammeeting. Dann sperren wir uns ein und tauschen uns aus, zeigen uns gegenseitig Kniffe und Tricks, die der andere vielleicht noch nicht so draufhat. Dort kann jeder praktische Fragen platzieren. Ganz aktuell ist die Pflanzenhaarfarbe ein großes Thema. Drei oder vier meiner Mitarbeiter(innen) sind super fit auf dem Gebiet, andere tasten sich gerade heran, wieder andere möchten nicht mit den Produkten arbeiten und bleiben beim Altbewährten. Da hilft der praktische Austausch innerhalb des Teams ungemein.“ Produkte auf Pflanzenbasis, bio und das Thema Nachhaltigkeit haben längst das Berufsfeld Friseur erreicht. So hat das Haarwerk-Team die Alufolie ausgemustert und arbeitet bei Strähnchen mit einem speziellen Wachspapier, versucht auch den Wasserverbrauch verantwortungsvoll zu steuern und Arbeitsmaterialien nicht zu verschwenden. Finden wir prima! Denn wenn wir ehrlich sind, haben wir gar nicht auf dem Schirm, wo überall ein umweltfreundliches Umdenken platziert werden muss, wenn es unseren Alltag nicht betrifft.

 

Die Arbeit Hand in Hand als Team, ein flexibles Anstellungsverhältnis, ein freundliches Betriebsklima, die Chance auf berufliche Fortbildung – all das spricht für einen vorbildlichen Betrieb. Vorbildlich ist zudem Jörns monetäres Motivationsmodell: „Am besten ist’s doch, wenn’s allen gut geht. Ich versuche für jeden das Beste rauszuholen. Und darum habe ich irgendwann mal das Provisionsmodell eingeführt, dass auf dem Bruttolohn basiert und sich prozentual am Umsatz orientiert. Da das Weihnachtsgehalt vor über 10 Jahren im Friseurhandwerk abgeschafft wurde, hielt ich das für eine faire und auch motivierende Lösung, die natürlich auch dem Betrieb in die Karten spielt.“ Eine faire Lösung, die das bekanntlich niedrige Gehalt einer Friseurin oder eines Friseurs aufbessert. Wir wollen in Zukunft nicht auf das Handwerk verzichten, denn Menschen, die mit Erfahrung, Ideen und Herzblut bei der Arbeit sind – die sind Gold wert.

 

Im letzten Jahr hat Jörn an einem neuen Projekt getüftelt – irgendwie ganz was anderes und irgendwie auch nicht. Gemeinsam mit einer Dortmunder Brennerei hat er einen Gin kreiert, der passend zum Haarwerk den klangähnlichen Namen Haarwasser trägt. Okay, die kleinen Haarwasserfläschchen kennen wir noch aus Lucky-Luke-Heften, aber trotzdem: Wie ist er denn da drauf gekommen? „Ich trinke unheimlich gern Gin und bin durch Zufall mit entsprechenden Leuten ins Gespräch gekommen“, freut er sich. Ja und wie, fragen wir, trinkt man den nun oder reibt man sich den ins Haar? „Es geht beides. Alkohol wird ohnehin vielen Haarpflegeprodukten beigefügt, wirkt durchblutungsfördernd und tut der Kopfhaut gut. Aber gedacht ist er vor allem zum Trinken“, lacht Jörn. „Der ist angenehm weich und einfach rund im Geschmack – kannst Du sogar pur genießen.“