Geschichten aus Dortmund

Menschen aus Dortmund

Filigran, gradlinig, lebhaft. Das Dortmunder Schmucklabel "pÄrle" setzt auf vornehme Zurückhaltung und knallige Farbakzente. "pÄrle" verkauft sich längst nicht mehr nur in Dortmund. Das Label ist auch außerhalb der Stadtgrenzen ein Hit. Designerin Pia genügt ihr Dortmund aber völlig. Sie fühlt sich in ihrer Wahlheimat pudelwohl. Nach Berlin? Nee. Viel zu groß. Und irgendwie gibt's da ja auch schon alles. Hier hat man noch die Chance richtig was aufzuziehen.

Pia blinzelt gegen die knallende Frühlingssonne. Wir sitzen auf einer Holzbank vor der Gemeinschaftswerkstatt Kaleidoskop, irgendwo zwischen Klinik- und Unionviertel. Ihr Sammelsurium aus Perlen, Schnüren und Anhängern hat Pia ans andere Ende der Bank verbannt – für den Moment. Wenn‘s passt, einfach mal draußen arbeiten. Für Pia nur ein Vorzug ihres Jobs.  

 

Eigentlich hatte Pia ja Architektur studiert. Gleichzeitig mit der Uni, schloss sie dann aber auch mit dem Plan ab, Architektin zu sein. Irgendwas am Computer entwerfen und dann bleibt das nur auf dem Papier, das war nichts für sie. Pia arbeitete schon immer lieber mit den Händen. Material in die Hand nehmen, Farben anschauen und dann was draus machen. Bereits während ihres Studiums hatte Pia begonnen Schmuck zu designen. Zuerst nur für sich, später auch für den Verkauf auf Märkten. „Ich hab einfach gemacht, wo ich Bock drauf hatte und was ich nicht so gefunden hab in den Läden“. Die durchweg positive Resonanz bestätigte Pia in ihrem Plan, ihr Hobby zum Beruf zu machen.

 

Pia ist gebürtige Münsterländerin. Eigentlich wollte sie ja nie hier her. Dortmund fand sie anfangs irgendwie hässlich. Mit den Jahren hat sie Dortmund aber immer mehr lieb gewonnen. Gute Größe, nette Leute und man kann noch was aufbauen. Dortmund ist für Pia mittlerweile Heimat. Sonnige Nachmittage verbringt sie am liebsten im geschäftigen Westpark, entspannt am Kanal oder im Küchlein und Straßencafé. Der Hej Store und Unterhaltung Lieblingsstücke sind und bleiben ihre persönlichen Lieblingsgeschäfte. Auch, weil sie hier über die Jahre so viel Unterstützung erfahren hat. Besonders das Unionviertel ist Pia ans Herz gewachsen. Kaleidoskop, das Gemeinschaftsartelier, das Pia vor einem guten Jahr mit vier Freundinnen eröffnete, sollte eigentlich auch hierher. Gelandet sind sie dann an der Wilhelmstraße. Hier ist Viertelzugehörigkeit Auslegungssache. Pia beschreibt das Kaleidoskop als Experimentierfeld für kreative Köpfe – einen Raum für Gespinste eben. Das tolle – das Kaleidoskop ist ein offenes Atelier. Vorbeischauen ist hier außerordentlich erwünscht.

 

Derzeit arbeitet Pia mit Hochdruck an ihrer neuen Kollektion. In vier Wochen, schätzt sie, ist es so weit. Dann kommen die neuen Schmuckstücke auf den Markt. Dabei beschäftigt Pia nebenher noch eine ganz andere Herzensangelegenheit. Vor drei Jahren verbrachte Pia vier Monate auf den Philippinen. Im Rahmen eines gemeinnützigen Projekts arbeitete sie dort Seite an Seite mit Einheimischen, die Papiermüll zu Perlen und Anhängern verarbeiten. Ihr Aufenthalt auf den Philippinen hat Pia in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet. Ihr ist es ein Anliegen, die philippinischen Papier-Perlen auch in ihre Designs zu integrieren. Bis zum Erscheinen einer ganzen Kollektion dauert es aber wohl noch ein Weilchen.

 

Und sonst so? Was wünscht sich Pia für die Zukunft? „Ein eigener Laden, das wär schon toll.“ Ein Ort, an dem Pia die Vielfalt ihrer Arbeit ausstellen kann. „Den wird’s auch irgendwann geben“, sagt sie optimistisch. Wie und wo, das ist noch ungewiss. Eins ist aber klar: wenn einen eigenen Laden, dann in Dortmund.