Geschichten aus Dortmund

Menschen aus Dortmund

So ganz zufällig schlendern wir heute nicht durch den Fredenbaumpark. Es ist Montag, und wir sind wie immer ein bisschen zu spät dran. Schnell, schnell hin zur Konzertmuschel. Die Kanadagänse gucken ganz verdutzt: warum denn die Hektik? Darum! Ein gellender Ton bringt die Baumwipfel zum Rascheln. Das Federvieh, unsanft aufgeschreckt, watschelt gen Ententeich. Kunstbanausen - allesamt. Wir hasten weiter. Der Ton wird zur Melodie, ein zweites, drittes Instrument stimmt ein. Die noch etwas knatschigen Töne weisen uns den Weg. Glück gehabt, sie sind noch beim Stimmen. Je mehr wir uns der Konzertmuschel nähern, desto mehr ziehen uns die Töne durch den Körper. Absolutes Gänsehaut-Feeling – und das schon, bevor es eigentlich losgeht. Es ist ein Klang wie kein zweiter. Einer, der von mutigen Schotten, mystischen Highlands und ganz viel Weite erzählt. Den Dortmunder Norden haben die United Ruhr Pipes and Drums an diesem Montagabend voll in Beschallung genommen.

 

Angefangen hatte alles mit einem Musikschulkurs für Dudelsackinteressierte. Viele kamen und blieben. Auch, als die Musikschule Dortmund das Kursangebot aufgab. Nun war Eigeninitiativ gefragt. Das war vor zwölf Jahren. 2006 erfolgte die Vereinsgründung - stilecht in der Kleingartenanlage Westerholz in Dortmund. Damals bestanden die United Ruhr Pipes and Drums aus einer handvoll Dudelsackanfängern und Hobbytrommlern. Heute treten sie bei Großveranstaltungen in der Region und Festen und Feierlichkeiten in und um Dortmund auf. 

 

Klaus war bereits bei der Vereinsgründung dabei. Für ihn waren es ein Schottlandurlaub und der Besuch des Edinburgh Military Tattoos, die ihn überzeugten. Mit 48 Jahre ein Instrument von der Pieke auf zu lernen ist sowieso schon kein Spaziergang. Die Tatsache, dass es nun auch noch ein Dudelsack sein sollte, vereinfachte den Start wohl kaum. Als Anfänger kann es schon mal so sein, dass Du das erste Jahr nur auf einem Practice Chanter, einer besonderen Übungsflöte spielst, bis der Dudelsack überhaupt geschultert wird. Im Vergleich zu anderen Melodieinstrumenten muss sich der ambitionierte Dudelsackspieler zunächst in Geduld wagen. Die zielbringende Nutzung des Luftsacks ist dann noch die nächste Herausforderung. Dann kommt noch das Marschieren dazu und Notenständer gibt es ja auch nicht. Für die Trommler der Truppe kommen zu den Rythmen dann noch die ausgefeilten Schlägelschwünge - Flourishments - oben drauf. Anhören tut sich das Ganze dann aber richtig gut. Nach "Highland Cathedral" stimmt die Truppe "Der Steiger kommt" an. Wir sind absolut verzaubert.

 

Über die Jahre hat sich eine bunt gemischte Truppe verschiedenen Alters und Könnens zusammengefunden. Auch Klaus´ Ehefrau Sabine brauchte nicht viel Bitten. Sie spielt seit vielen Jahren die Pauke der URPD. Der Dudelsack ist ein Instrument, das sich nicht von der schottischen Kultur trennen lässt. Aufgetreten wird deshalb auch im traditionellen Kilt und dem Tartan "Flower of Scotland". Für viele Mitglieder waren es Erfahrungen in Schottland oder eine Affinität für Folkrock, die sie zu den Pipes und Drums gebracht haben. Einsteigen kann hier jeder. Jeden Donnerstag findet eine Anfängerklasse statt. Mitbringen brauchst Du nur Lust und ausreihend Luft. In den Sommerferien finden noch alle Montagsproben öffentlich in der Konzertmuschel im Fredenbaumpark statt. 18 Uhr geht's los. Schau vorbei und lass Dich mitreißen. Wir garantieren zwei Stunden Gänsepelle.