Geschichten aus Dortmund

Menschen aus Dortmund

Susanne ist eine absolute Persönlichkeit. Eine Persönlichkeit mit Stil. Denn sie bringt den „Hot Stuff“, die heißesten Fashiontrends aus der ganzen Welt nach Dortmund. Auf die Kleppingstraße in ihren eigenen Laden „Lindner Fashion“. Dieser ist seit einem halben Jahr DORTMUND ahoi Lieblingsort. Ein Ort, der uns samt Susanne ans Herz gewachsen ist. Und weil es bei jedem Besuch lustig, skurril und interessant ist, wollen wir mehr erfahren. Wo hat Susannes Fashion Weg begonnen und wie hat sie dieser auf die Kleppingstraße geführt? Wir haben uns auf ein heißes Ingwer-Orangen-Getränk im Café Creme, gleich um die Ecke getroffen und geplaudert, geplaudert, geplaudert…

 

Ein Interesse für Stil und Architektur, für Stoffe und Kleidung hatte Susanne unbewusst schon als kleines Kind und erinnert sich, wie sie damals bei ihrer Oma auf der Terrasse gesessen hat, Sommer für Sommer, und auf Milimeterpapier ihr Zimmer neu „geplant“ und gleichzeitig Papieranziehpüppchen immer wieder neue Stylings gezaubert hat. Dass sie mal DIE Fashion Lady Dortmunds wird, das hatte sie damals noch nicht auf dem Schirm. Und so kam es, dass sie nach dem Fachabi erstmal Graphikdesign und ein Praktikum bei einem Innenarchitekten machte. „Huch das war aber ganz schön technisch…“, merkte Susanne.

 

Parallel zu dieser Zeit fing Susanne an zu stricken. Sie spann und färbte ihre Wolle selber  – und liebte das Praktische an dieser Arbeit. Ihre „Spinnereien“ gefielen den Leuten. Susanne setzte sich kurzerhand samt Spinnrad auf Flohmärkte, verkaufte ihre selbst gemachten Pullover und erzählte den Kunden jeweils eine spannende Geschichte dazu. Und weil dieses Konzept so gut ankam, kam auch schnell die Überlegung auf, einen eigenen Laden zu eröffnen. Susanne ist ein Typ, der fackelt nicht lange. No risk no fun! Und so sagte sie dem theoretischen Studium ade und eröffnete ihren ersten eigenen Laden mit einer Partnerin, die mit Selbstgenähtem das Angebot ergänzte. Der hieß natürlich NICHT Wollust oder so ähnlich, sondern „Hot stuff“. „Schon damals hatten wir ‚Hot Stuff‘ aus Amsterdam bei uns im Laden und waren in den 80-er Jahren damit richtig weit vorne in Dortmund.“

 

Der Laden lief und gleichzeitig rückten die Papieranziehpüppchen von Omas Terrasse wieder mehr in den Vordergrund. „Modetechnisch gefiel mir einfach nichts in Dortmund, aber ich konnte ja auch nicht alles selber machen“, schmunzelt Susanne und eröffnete einen zweiten Laden auf der Saarlandstraße. Unter „Susanne Lindner Kollektionen“ gab es hier ab 1992 Mode, die Susanne gefiel und auch Wohnaccessoires. Und somit war der erste kleine Concept Store in Dortmund geboren. Ein Jahr später kam dann noch ein weiterer Laden hinzu. Der Schuhladen „Souk Shoe“. Marrokanisches Interieure lud ein ausgefallene Schuhe zu kaufen. Den ersten Laden, den Wollladen gab es da übrigens schon lange nicht mehr. Und auch der kleine Concept Store auf der Saarlandsraße entsprach nicht mehr so den Vorstellung von Susanne. Innenstadt, das war ihr Traum. Und wenn Susanne was will und ihren ganzen Charme einsetzt, dann bekommt sie auch was sie will.

 

Dort, wo sich Lindner Fashion derzeit befindet, dieses Ladenlokal hatte Susanne schon lange im Visier und schlug zu, als sie von Freunden hörte, dass dieser vakant war. Tatatataa: Standby Lindner wurde geboren. „Standby – das bedeutet immer verfügbar, jede Woche neue Ware, neue Trends, die ihren Weg nach Dortmund fanden.“ Oder die Susanne von ihren vielen, vielen Reisen mit nach Dortmund brachte. Aus Amsterdam oder Stockholm, Marokko und Copenhagen. Paris und Berlin natürlich. Fast jeden Monat ist Susanne heute noch auf Reisen, auf der Suche nach neuen Trends. Susanne Spürnase erkennt diese nämlich sofort und deshalb aufgepasst: Alle Fashion Victims, die schon heute die Trend von Morgen tragen wollen, müssen zu Susanne in den Laden, der heute übrigens nur noch Lindner Fashion heißt. Hier gibt es neben den tollen Klamotten auch immer einen heißen Tee, ein nettes Pläuschchen und wer mag, kann auch im kleinsten Spa Dortmunds neue Kraft tanken. Susanne möchte, dass das Shoppen bei ihr ein Erlebnis ist, dass sich die Leute hier wohl fühlen. Die Palette der Produkte ist vielfältig: Schickes Abenddress oder abgefuckte Sneakers! Heißes für Untendrunter oder Warmes für kalte Tage! High Heels oder bequeme Boots! Seidenkimonos neben XXL-Kapuzenpullis! Hier ist für jeden etwas dabei. Sowohl das extravagante Outfit fürs Gucci-Portemonnai als auch DAS eine  IT-Teil für die Studentin.

 

Bei den ganzen tollen Sachen stellt sich uns doch noch eine brennende Frage: „Stehst du auch manchmal vorm Schrank und denkst, wie jede Frau: Mist, ich habe nichts zum Anziehen!“ Susanne lacht: „Na klaro, sogar öfter, als man vielleicht denkt.“ Und Susanne erzählt uns, dass sie seit 35 Jahren in der Modewelt umherschwirrt und so viel sieht, dass man es privat manchmal gar nicht mehr sehen kann und eher zu schlichten Sachen greift. Ein Pendant zur bunten und troubeligen Modewelt findet Susanne auch immer wieder in der Natur. „Es müssen nicht immer die Berge sein oder die Nordsee, auch hier in Dortmund, gleich um die Ecke findet man wunderschöne Ruheoasen, in der man abschalten und Kraft tanken kann,“ erzählt uns Susanne. So geht sie gerne nach Feierabend in den Rosengarten in den Westfalenpark, spaziert durch den Rombergpark, tankt Sonne im Hafen und frühstückt fast jeden Morgen an einem ihrer Lieblingsorte, dem Phoenixsee. „Ich mag einfach das Plätschern des Wassers, die morgendliche Ruhe, die dann hier noch herrscht.“ Weitere Lieblingsorte von Susanne sind das Kieztörtchen im Kreuzviertel und die Soulfood Manufactur auf der Kaiserstraße. Und wenn sie von einer ihrer vielen Reisen nach Hause kommt und den Fernsehturm erblickt, kribbelt es und das wohlige Gefühl von Heimat keimt in ihr auf.

 

Wir hätten noch Ewigkeiten so weiter plaudern können, Susanne und ich, von den vielen, tollen Menschen, die sie auf ihren Reisen kennengelernt hat, die ihr ans Herz gewachsen und Freunde geworden sind. Über Dortmund und warum es sich lohnt, hier immer wieder zurückzukommen, über Familie und natürlich Mode. Denn Susanne gehen niemals die Worte aus, meistens jedenfalls. Außer in der vergangenen Woche, als sie morgens den Anruf bekam, der ganze Laden sei über Nacht leer geräumt worden. „Absoluter Schock!!!! Leute … mir fehlen die richtigen Worte…“ postete Susanne fassungs- und sprachlos über den dreisten Diebstahl. Doch Susanne wäre nicht schon so weit in ihrem Leben gekommen, wenn sie diese Katastrophe nicht irgendwie als Herausforderung betrachtet, in die Hände spuckt und noch während die Spurensicherung arbeitet, neue Ware ordert, damit die Kunden so schnell wie möglich wieder Hot Stuff in Dortmund bekommen. „Es ist schön zu sehen, wie das Team in diesen schweren Stunden so toll zusammengearbeitet hat“, erzählt uns Susanne ein paar Tage nach dem Einbruch am Telefon. Immer noch ist sie schwer geschockt und fassungslos. Und ist gerührt von der großen Anteilnahme der Kunden und Freunde, die gleich ihre Hilfe angeboten haben. Nach den ersten Schocktagen, in denen in Windeseile alles wieder hergerichtet wurde, muss Susanne einmal tief durch atmen. Seeluft schnuppern, Kraft tanken und dann wieder zurück. Den Fernsehturm in der Ferne erblicken: Heimatkribbeln, Ärmel hochkrempeln, weiter geht’s!