Geschichten aus Dortmund

Menschen aus Dortmund

Mai ist ein kleines Energiebündel und sie steckt voller Ideen und Tatendrang. Vor rund zweieinhalb Jahren eröffnete sie, mit Unterstützung von ihrem Ehemann Nils, eine kleine, bezaubernde Gastronomie auf der Lindemannstraße. Das chinesische Café und Bistro Miss Mai. Statt nach dem Studium einen „normalen“ Job in einer Firma zu suchen, entschied sie sich für das Abenteuer Selbstständigkeit. Wieso sie diesen mutigen und aufregenden Schritt wagte? Das hat sie uns verraten.

Als sie vor rund fünf Jahren nach Deutschland kam, war zunächst alles neu und aufregend anders. Doch dann kam der Kulturschock und kurz darauf das Heimweh und Mai fand einfach kein richtiges chinesisches Restaurant, das ihr ein Stück Heimat auf dem Teller servieren konnte. Also kochte sie selbst, ließ sich Rezepte von ihrem Vater schicken, wurde kreativ und probierte viel aus. Irgendwann entstand ein Blog und die Idee daraus vielleicht noch mehr zu machen.

 

 

Zunächst entdeckte sie aber ihre Leidenschaft zum Backen: Während es in China nicht unbedingt üblich ist einen Backofen daheim zu haben und darum meist gekaufte Kuchen und Kekse als Nachspeise gereicht werden, unterhalten wir Europäer eine wahre Backkultur. Die Schwiegermama backte viel und irgendwann probierte auch Mai ihr Können aus. Ihre Kuchen schmeckten so gut, dass Familie und Freunden schon zur Einladung das Wasser im Munde zusammenlief. Können wir verstehen, schwärmen wir in unserer Redaktion schließlich noch immer von Mais Matcha New York Cheesecake. Köstlich!

 

 

Irgendwann war sie wieder da, die Idee. Die Idee etwas Mutiges zu machen. Etwas aufzubauen, was aus der Reihe fällt, was anders ist. „Hier gibt es so viele China-Buffets, das kannte ich so gar nicht. Häufig sind Geschmacksverstärker drin und darum schmeckt vieles gleich. Es fehlt die Kreativität und die chinesische Vielfalt. China ist so groß und überall wird unterschiedlich gekocht. Die bayerische Küche ist schließlich auch nicht wie die westfälische.“ Aber erstmal musste Mai testen, was denn bei den Leuten gut ankommt. „Darum waren Nils‘ Arbeitskollegen meine Versuchskaninchen“, lacht sie, „und mussten so einiges testen...manchmal ging auch etwas schief und der Zitronenkuchen wurde wirklich wirklich sauer.“ Die Kuchen und chinesischen Leckereien kamen – nichtsdestotrotz - gut an, sehr gut sogar. Dann ging alles ganz schnell und plötzlich eröffnete Mai ihr eigenes Café & Bistro. Inzwischen hat sie sich mit ihrer kreativen, köstlichen und vor allem authentischen Küche einen Namen gemacht und ist so etwas wie ein Geheimtipp geworden. Glutamat und Co. kommen bei ihr nicht in die Töpfe. Die Nudeln für Genosse Wus größte Versuchung oder Atem des schlafenden Drachen am Meer werden täglich frisch von Hand gezogen und die Jiaozi (handgemachte filigrane Teigtaschen) sind wahre Meisterstücke. Jede Woche bietet sie zur regulären Karte eine Wochenkarte, weil es ihr Spaß macht und weil sie nicht in festen Strukturen verharren will. Sie will Neues ausprobieren, grad in der Küche kann man so kreativ sein. Mai kann stundenlang über Essen quatschen. „Nicht nur quatschen“, bemerkt sie. „Ich kann immer essen. Ach Quatsch, fressen, ich kann immer fressen“, lacht sie los.

 

 

Mai kennt die Gewohnheiten ihrer Stammgäste, merkt sich wer die Essstäbchen links oder rechts führt, kennt deren Leibspeisen und freut sich über ihr positives Feedback, wie z.B. das einer älteren Dame deren Sohn in China arbeitet. Den langen Flug auf den fernen Kontinent schafft sie nicht mehr, darum hat der Sohn ihr bei einem seiner Heimatbesuche empfohlen doch die vielen Speisen bei Miss Mai auszuprobieren. „Das ist ein so schönes Kompliment“, freut sich Mai, „da schickt er sie zu mir, um China kennenzulernen.“  Diese besonderen Momente mit ihren Gästen haben sie motiviert etwas Neues auszuprobieren: ein chinesisches Restaurant ganz ohne Reis, das bezeichnender Weise NoMoreRice heißen wird. „Dort wird es gedämpfte oder gebratene Jiaozi, Dim Sum und andere typische Dumplings der nördlicheren Regionen um Peking geben. Dazu noch eine kleine Auswahl außergewöhnlicher Gerichte.“ Mit dem neuen Konzept will sie zeigen, wie vielfältig asiatische und chinesische Küche sind, fernab des stets bemühten Reis-Klischees. Wir sind gespannt, drücken die Daumen und fiebern schon jetzt der Eröffnung entgegen. „Ja, das ist wirklich alles ganz schön aufregend. Wir machen alles selbst, renovieren, gehen die Raumgestaltung an, planen das Menü undundund. Aber es schaut gut aus, obwohl nicht immer alles nach Plan läuft.“ Langweilig wird es Mai sicherlich nicht, aber ab und an muss man dann doch mal entspannen und was anderes als Arbeit, Baustelle und Wohnung sehen. „Dann genieß ich die vielen kleinen Cafés und Restaurants hier in Dortmund, wie Froilein Meier, Guttut oder die ganzen anderen tollen Läden. Ach, hier gibt es so viele Möglichkeiten sich zurückzulehnen und sich ein wenig wie in Berlin zu fühlen.“ Finden wir auch und danken Mai, dass auch sie Dortmund mit ihrem Enthusiasmus ein Stückchen bereichert.