Geschichten aus Dortmund

Willkommen in Huckarde

Die S-Bahn-Fahrt vom Dortmunder Hauptbahnhof nach Dortmund Huckarde dauert etwa 20 Minuten. Wohnsiedlung reiht sich an Wohnsiedlung. Mal Industrie, dann wieder Felder und Wiesen fliegen an uns vorbei. Dortmund Huckarde, das ist Industriekultur, Ländlichkeit und eine belebte Innenstadt. Am kommenden Wochenende wird die S2 voll besetzt sein, denn das Pfingstwochenende ist in Huckarde traditionell Kirmeswochenende. Schausteller und Anwohner stehen bereits in den Startlöchern für vier Tage Ausnahmezustand. Aber auch an einem normalen Wochenende ist der Westen Dortmunds einen Besuch wert: Huckarde hat eine gute Portion Kultur, Sport und Gemütlichkeit parat.

We are most amused

Paul ist gebürtiger Engländer. Der Liebe wegen verließ er vor knapp 20 Jahren seine Heimatinsel Hayling Island und kam nach Dortmund. Für den gelernte Koch und Restaurantfachmann war klar, dass er irgendwann ein eigenes Restaurant eröffnen würde. Im Herbst 2015 war es dann so weit. Die Alte Mühle in Dortmund Huckarde wurde zum Marples – einem Stückchen Großbritannien im tiefsten Ruhrpott. Paul und sein Team servieren British Kitchen at it’s best. Dazu gibt’s immer ein kühles Guinness, Kilkenny oder Braufaktum Ale – je nach Geschmack.  Alle paar Monate veranstaltet das Marples ein Krimidinner – das ist schon dem Namen des Lokals geschuldet.  Zum Mysterie-Schauspiel serviert Paul ein ausgeklügeltes Drei-Gänge-Menü. Im Marples ist jede Woche Programm: Jeden ersten Freitag im Monat ist Fish & Chips Friday, jeden dritten Pub Quiz. Samstags und sonntags verzaubert Paul seine Gäste zur Tea Time mit ofenfrischen Scones und selbstgemachter Marmelade. Die kannst Du dann im idyllischen Biergarten oder in der historischen Alten Mühle auf der Zunge zergehen lassen. Im Sommer gibt’s wieder Beertastings und in der Weihnachtszeit sind bereits drei Termine für Dickens Weihnachtsgeschichte (im Marples in Form eines Live-Hörspiels) geblockt. Vorreservieren kannst Du hier.

 

Für Bücherwürmer

Drei Straßen weiter, in der Huckarder Innenstadt lädt das Seitenreich zum Schmökern ein. Claudia und Sabine haben ihren Laden vor sechs Jahren eröffnet. Sie sind beide begeisterte Leseratten. Seitenreich legt Bücher nicht in den Versandkarton, sondern ans Herz. Krimi, Fantasy, Kinder- und Jugendbücher – der  kleine Laden ist vollgepackt mit Lesestoff für die ganze Familie. Wenn ein Exemplar dann doch mal vergriffen ist, kann es meist bis zum nächsten Tag bestellt werden. Claudia und Sabine beraten Dich gern, wenn die heimische Lektüre mal wieder ausgelesen ist.

 

Kaffeegenuss in grüner Idylle

Das Café LebensArt liegt unmittelbar am Eingang zum Rahmer Wald, am nord-westlichen Ende von Huckarde. Vor oder im Anschluss an einen ausgedehnten Spaziergang unter dem satten Blätterdach des Waldes, bekommst Du hier eine entsprechende Stärkung. Inhaberin Ina hat viel Liebe zum Detail. Nahezu kein Stuhl im Café LebensArt gleicht dem anderen, irgendwie macht eben diese Mischung das Café so gemütlich. Bei gutem Wetter lädt die große Terrasse zum Kuchenessen und Sonnenbaden ein. Bei den heißen Temperaturen empfiehlt Ina besonders ihre hausgemachten Limonaden. Wie wär’s da zum Beispiel mit der Variation Ingwer-Rosenwasser oder Limette-Minze!?

 

Straßenbahnromantik

Das Nahverkehrsmuseum versteckt sich zwischen Pappeln und Kornfeldern auf der Strecke von Huckarde nach Deusen. Auf dem ehemaligen Kokerei Betriebshof Mooskamp herrscht Nostalgie pur. Das Museum beherbergt eine gute Hand voll historischer Straßenbahnen. Loks und Waggons werden in den alten Werkhallen restauriert und gepflegt. Mitfahren kannst du hier auch. Entweder jeden dritten Sonntag im Monat – da zockelt eine Bahn zur naheliegenden Kokerei Hansa – oder zum Beispiel zur ExtraSchicht

 

Viel heiße Luft

Die Kokerei ist fester Bestandteil der Schwerindustriegeschichte Dortmunds. Die ehemalige Großkokerei ist heute als Museum begehbar. Über den „Erlebnispfad Natur und Technik“ kannst du das imposanten Hallen entdecken. Obwohl die Kokerei erst 1992 stillgelegt wurde, hat die Natur in den vergangenen zweieinhalb Dekaden große Teile der Anlage zurückerobert. Auch deshalb kommen hier besonders Hobby-Fotografen auf ihre Kosten. Alle paar Wochen finden Fotoführungen über das Areal statt. Infos zu Terminen und weiteren Führungen findest du hier.

 

In schwindelerregende Höhen

Gleich nebenan geht’s hoch hinaus. Ein ehemaliges Nebengebäude der Kokerei Hansa beherbergt heute die Kletterhalle Bergwerk. Sportklettern liegt voll im Trend. Einsteigen kann man hier sowohl im Kindes- als auch im fortgeschrittenen Erwachsenenalter. Die bis zu 20 Meter hohen Kletterwände mögen auf den ersten Blick vielleicht etwas einschüchternd wirken, mit der richtigen Technik ist der Sport aber ungefährlich. Besonders für Kinder kann das Klettern eine sehr lohnende Erfahrung sein. Sportklettern fördert Teamgeist, Körpergefühl und Selbstbewusstsein. Ab 6 Jahren ist das Klettern im Bergwerk erlaubt. Die Kids können hier sogar ganze Geburtstage feiern. Für die größeren Kletter-Interessierten gibt’s natürlich auch was: Schnupperklettern ist jeden Dienstagabend und Sonntagnachmittag. Voranmelden kannst Du Dich hier. Neben der Haupthalle hat das Bergwerk auch noch einen großen Boulderbereich. Bouldern, das ist Klettern über Weichbodenmatten, in Absprunghöhe. Die Routen sind kürzer und Du brauchst kein Vorwissen im Bereich Sicherungstechnik. Die Boulderrouten  enden in 4 Meter Höhe. Die Kuschelsofas oben auf laden zu einer ausgedehnten Auszeit ein. Wenn die Arme und Beine dann irgendwann schwer werden, kannst Du Dir im Biergarten des Bergwerks ein erfrischendes – und obendrein isotonisches – Weizenbier gönnen. Zur kompletten Tiefenentspannung empfehlen wir die hauseigene Sauna.

 

Die Geschichte des Daddelns

Zocken im Museum? Klar! Von Atari 2600 bis zur PS4 – im Binarium  kannst Du Computerspiele aus den letzten vierzig Jahren spielen. Das digitale Erlebniszentrum stellt rund 700 Exponate der  Computerspiel-Geschichte aus. Leidenschaftliche Zocker können hier schon mal gut einige Stunden verbringen. Was zu lesen gibt’s natürlich auch. Infos zur Geschichte des Gaming bekommst Du hier ebenfalls. Das anschließende Café NETZWERK hat derzeit zwar Betriebsferien, ist in den nächsten Wochen aber wieder für Dich geöffnet.

 

Mountainbiken am Deusenberg

Hast Du die knapp 300 Stufen zum obersten Plateau des Deusenbergs erstmal erklommen, wirst Du mit einem unglaublichen Panoramablick über Dortmund belohnt. Die einstige Müllhalde ist heute ein großflächiger Landschaftspark und ist Anzugspunkt für Spaziergänger, Mountainbiker und Gleitschirmflieger. Beim Auf- und Anstieg ist Vorsicht geboten. Viele der Mountainbike-Trails geben sich augenscheinlich als holprige Klettersteige aus. Wir empfehlen für‘s Hoch und Runter ganz eindeutig die sichere Treppe. Auch auf der Bergspitze wird gebiked. Mountainbike-Enthusiasten flitzen hier über Hügel und durch Steilkurven. Mitfahren kann hier jeder. Protektoren, funktionale Bremsen und eine gute Federung sind aber ein Muss.

 

Die nächste Runde geht rückwärts

Ab Samstag herrscht in Huckarde Ausnahmezustand. Dann beginnt die traditionelle Pingsthuekke Kirmes. Autoscooter, Kettenkarussell, Völlerei und „Gewinne, Gewinne, Gewinne“. Die Pingsthuekke ist nichts für schwache Mägen. Das hin und her Gedrehe des Brake Dance auf dem Markplatz hat noch jeden gestandenen Huckarder ins Taumeln gebracht. Wer auf das Geschleuder lieber verzichten möchte, kommt an zahlreichen Fressbuden zumindest kulinarisch auf seine Kosten. Gebrannte Mandeln, Schoko-Obst und Folienkartoffel dürfen beim Kirmesgang einfach nicht fehlen. Beginn ist Samstag um 14 Uhr. Am Pfingstdienstag endet die Kirmes mit einem feierlichen Feuerwerk (ca. 22 Uhr).

 

Wir bedanken uns bei den tollen Menschen, die wir in Huckarde kennenlernen duften und wünschen viel Glück und Durchhaltevermögen für das anstehende Pingsthuekke Wochenende.