Geschichten aus Dortmund

Menschen aus Dortmund

Das mit dem Glück ist so eine Sache. So mancher jagt ihm verzweifelt hinterher, verliert es dabei aber auf halber Strecke. Andere verleugnen es, sind ihm dabei aber eigentlich ganz nah. Noch andere lehnen sich zurück und warten darauf, dass das Glück sie findet. Ein universales Glück-finde Rezept gibt es nicht. Schon deshalb nicht, weil Glück für jeden von uns etwas anderes bedeutet. Am Anfang der Suche nach Glück steht somit wohl unsere jeweils eigene Definition von Glück. Genau an diesem Punkt fand sich unser heutiger 'Mensch aus Dortmund', Monica, im Jahr 2013 wieder. Irgendwie sollten die Karten neu gemischt werden. Was genau wollte sie überhaupt für sich, ihr Leben? Das Ergebnis ihrer Grübeleien: ein abwechslungsreicher Arbeitsalltag als Tanzlehrerin in ihrer eigenen Tangoschule und als freie Rednerin für Trauungen, Taufen und Trauerfeiern.

Monica hat eine sehr 'bewegte' Familiengeschichte. Geboren wurde sie in Santo Domingo. Ihr jüdischer Großvater (väterlicherseits), war in den Irrungen und Wirrungen des zweiten Weltkriegs nach Chile geflohen. Auch ihre Eltern heirateten dort. Monicas Großeltern mütterlicherseits lebten im Schwarzwald. Auch sie waren Geflüchtete - aus Estland. Monica verbrachte ihre Kindheit in Südamerika, dann in Deutschland, dann in Schweden. Bis die Familie in anderer Konstellation ihre Heimat im östlichen Ruhrgebiet, in Kamen fand. 

 

Monica stammt aus einer Pfarrer-Dynastie. Ein bisschen war das vielleicht auch der Grund, warum das Theologie-Studium für sie immer eine Option blieb. Natürlich, eigentlich folgte sie damit total dem Familienerbe. Der Unterschied: In ihrer Familie war sie damit die erste Frau.

 

So richtig können wir uns Monica als Vertreterin der Kirche aber nicht vorstellen. Das Konservative, Traditionelle, Festgelegte, das Kirche in unserer Gesellschaft oft repräsentiert, passt so gar nicht zu der Freidenkerin, als die wir Monica kennengelernt haben. Irgendwann dachte sich das auch Monica. Schon während ihrer Zeit als Pfarrerin hatte sie Wege gesucht, die anders waren. Die traditionellen Ansätze hatten sie nie wirklich überzeugt. Trotzdem, die Arbeit mit Menschen war das, was ihr am meisten Freude bereitete. Menschen kennenlernen, herausfinden was sie bewegt, sie in schwierigen Zeiten begleiten – Aspekte ihres Berufs, die Monica nicht missen wollte. Schon immer interessierte sie, was die Welt im Innersten der Menschen, denen sie begegnet, zusammenhält.

 

Den endgültigen Schubs in die (für sie) richtige Richtung gab ihr das Tanzen. Tanzen, insbesondere der Tango, war für Monica immer eine Leidenschaft. Schon während ihrer Zeit als Pfarrerin, war sie auch als Tanzlehrerin aktiv. Als ihre geliebte Tanzschule 2013 dicht machte, war für Monica die einzige Option selbst ein Studio zu eröffnen. Einen Verbündeten fand sie in ihrem jetzigen Mann, Michael. Die beiden bauten auf, was heute Tangoglück ist. Eine mit ganz viel Herz und Hingabe geführte Tanzschule am östlichen Ende der Dortmunder Innenstadt.

 

Nahezu zeitgleich mit der Eröffnung ihrer eigenen Tangoschule, kehrte Monica der Kirche den Rücken zu. Freie Rednerin wollte sie bleiben und Trauungen, Taufen oder auch Todesfeiern gestalten. Leider ließ sich diese Arbeit nicht mit ihrem Amt in der Kirche vereinbaren. Aber wahrscheinlich ist das auch gut so – heute ist Monica nämlich praktizierende Buddhistin.

 

Monica ist angekommen. Das spürt man. Sowohl in Dortmund, mit ihrem Herzensprojekt Tangoglück, als auch in ihrer Tätigkeit als freie Rednerin. Mit der Aufgabe ihres Kirchenamtes und somit ihrer Beamtenstelle hat sie schon lange ihren Frieden gemacht. Heute macht sie genau das, was sie immer wollte: Menschen nahe sein, sie zusammenbringen, sie begleiten. Das geschieht für Monica sowohl in Freude (bei Trauungen oder Taufen), in Trauer (zu Beerdigungen) oder auch über den Tango.

 

Ihre Schülerinnen und Schüler sowie die Paare und Familien, die Monica engagieren, schätzen ihre ruhige, reflektierte Art. Monica erzählt man einfach gern auch Dinge, die man sonst vielleicht ungern preisgibt. Monicas Gesellschaft schafft einen Raum der Sicherheit. Ihre Nachfragen treffen den Nagel auf den Kopf. Und genau das ist es, was die Menschen, die zu ihr kommen, suchen: jemanden der ihnen Sicherheit gibt, sie versteht und ihnen weiter-hilft.

 

Auch wenn sie die Bezeichnung wahrscheinlich ganz schrecklich findet, für uns ist und bleibt Monica schlichtweg professionelle Glücksbringerin. Für die einen auf primäre, für die anderen vielleicht eher auf sekundäre Weise. Beim Thema Glück geht sie einfach als gutes Vorbild voran. Wir haben selten einen Menschen kennengelernt, der so im Reinen mit sich selbst ist. Wie überaus motivierend.