Geschichten aus Dortmund

Menschen aus Dortmund

Die Europameisterschaften in Spanien, Polen, Tschechien, die Olympischen Spiele in Rio, die traditionsreiche Henley Royal Regatta, die diesjährigen Weltmeisterschaften in Sarasota, Florida und noch viele mehr. Alleine diese kurze Aufzählung liest sich beeindruckend. Man oh man, dabei ist Malte Jakschik erst 24 Jahre alt. Wir haben den Ruder-Recken an einem der Stützpunkte des Deutschen Ruderverbands, am Dortmund-Ems-Kanal im Norden der Stadt, getroffen und über das Leben als Leistungssportler in Dortmund gequatscht.

 

 

Seit 2012 lebt Malte nun in Dortmund. Pendelt zwischen dem Kreuzviertel, wo er mit seiner Freundin Sara lebt, der Ruhr-Uni Bochum und seiner Trainingsstätte, dem Stützpunkt am Ruderclub Hansa. Wenn er denn grad in Dortmund ist.

 

Malte hat sich auch in dieser Saison einen Platz im Flaggschiff des DRV, dem Deutschland-Achter, erarbeitet. Seit 2014 sitzt er auf einem der heißumkäpften Rollsitze und ackert wie der Rest des Teams für Bestzeiten und Siege. Deutschland ist eine DER Rudernationen und deshalb ist die Konkurrenz im Land eben auch groß. Sitzt man im Achter wie Malte, ist man Teil einer Maschine, die nur mit viel Gemeinschaftssinn, Organisation und Engagement rund läuft. Für uns Hobbysportler ist das spannend und deshalb fragen wir genauer nach. Wie, wo, was und überhaupt...?

 

Im Leistungssport bereitet man sich immer auf DEN nächsten Wettkampf vor. Einen Saisonhöhepunkt gibt es schließlich immer, sei es EM, WM oder Olympia. Und intensive Wettkampfvorbereitung bedeutet nun mal, dass das nächste Trainingslager nicht lange auf sich warten lässt. Da geht’s dann mit Sack und Pack – in diesem Fall mit Booten und Riemen – des Öfteren auf Reisen. Nach Österreich, in die Schweiz oder einfach nur in eine andere Ecke Deutschlands. Dort beginnt der klassische Tag um 7:30 Uhr: eine erste Einheit auf dem Wasser und nach dem gemeinsamen Frühstück stehen rund eineinhalb Stunden zur freien Verfügung. Passt, denn meist gibt’s ja noch was für die Uni zu erledigen. Gegen 11:30 Uhr geht dann die zweite Einheit los. Dann Mittagessen. Und nachmittags wird natürlich ein weiteres Mal trainiert. Rudern, Ergometer fahren, Krafttraining, alternative Ausdauereinheiten wie Laufen, Radfahren oder auch mal Ausgleichsport wie Fußball oder Basketball.  Wem es vielleicht irgendwann irgendwo im Rücken zwickt, der trägt sich für die Physio ein - und dann ist der Tag auch schon fast rum.

 

Puh. Wir staunen nicht schlecht. Wenn das mal kein Einsatz ist, was dann? Hört sich nach täglichem Schinden und nochmal schinden an… und Schinden muss sich sicherlich jeder Mal in der Mannschaft. So ist das eben, wenn man den Körper und sich selbst herausfordert - um besser zu werden, muss man sich auch mal quälen oder wie sagt man gleich? „So, oder so ähnlich“, lacht Malte.

 

Da hat er ja schon ganz schön viel von der Welt gesehen, denken wir und fragen nach ob das nicht ein abenteuerliches Leben ist, dass er als 24 jähriger da führt? „Natürlich ist es klasse immer wieder zu verreisen, aber wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich noch nicht allzuviel gesehen. Zeit für Sightseeing ist da kaum. Wenn am 24. September die Weltmeisterschaften in Florida beginnen, reisen wir ein paar Tage vorher an, um uns zu akklimatisieren. Da stehen Training und der Fokus auf die Rennen im Vordergrund. Dann die Zwischenläufe und letztendlich das Finale. Danach geht’s auch schon wieder zurück nach Deutschland – da bleibt nicht viel Zeit für klassischen Tourismus. Natürlich gibt's auch mal Gelegenheiten wie zuletzt in Rio. Nach den Ruderwettkämpfen sind wir noch geblieben, haben andere Sportarten besucht und uns die Stadt angeschaut. Olympia war ein beeindruckendes Erlebnis und einfach spannend, sowohl aus der Aktiven- als auch aus der Zuschauerperspektive. Also ja, wir sammeln trotz des Einsatzes für den Achter viele Eindrücke und diese gleichen die eventuelle und dann aber nur zeitweilige, körperliche Schinderei aus.“

 

Wenn es wieder Richtung Heimat geht, freut er sich auf Dortmund, freut sich auf Zuhause. Er ist in Dortmund angekommen und hat hier ein Stück Heimat gefunden, genießt das Leben im Kreuzviertel, trifft sich mit Freunden im Monchi, Schönes Leben, Café Asemann oder Kieztörtchen. „Aber eigentlich kann man ja an fast jeder Ecke im Kreuzviertel gut essen gehen. Zu viel mehr komme ich aber auch nicht.“ Malte studiert Maschinenbau und das erfolgreich. Nur im olympischen Jahr rückte die Uni weit mehr in den Hintergrund als sonst. In 2017 hat sich alles schon wieder normalisiert und eingependelt.

 

Aber wie funktioniert das als Student? Zeit für einen Nebenjob hat Malte schließlich nicht. Und ein Gehalt, wie etwa ein Sportsoldat, bekommt er von der Uni natürlich auch nicht. Also fragen wir mal genauer nach und erfahren, dass hier nicht nur die Deutsche Sporthilfe unterstützt, sondern auch ein Dortmunder Konzern als Sponsor den Ruderern zur Seite steht. WILO begleitet nun schon seit einigen Jahren den Deutschland Achter, sorgt für optimales Material auf dem Wasser, gute Trainingsbedingungen an Land und unterstützt auch die Athleten finanziell, dafür bekommt der Konzern ein starkes Aushängeschild. Die Sportler kommen gut über die Runden, können sich voll und ganz auf den Sport, ihre Ausbildung und die Zukunft konzentrieren. Ein Lotterleben ist das bei Weitem nicht! Disziplin, Konzentration und physische Belastung verlangen viel ab. Doch dieser eine Moment in dem der Sieg da ist und sich all die Mühe auszahlt, dieser Moment, den man mit den anderen im Team gemeinsam erarbeitet hat, wiegt so viel mehr als das kleine bisschen Quälerei.

 

Wir drücken Malte, dem gesamten Team des Deutschland Achters und des DRV die Daumen für die WM, die vom 24.9. - 1.10.2017 in Sarasota, USA ausgetragen wird!