Geschichten aus Dortmund

Menschen aus Dortmund

Seit Fertigstellung des U-Turms wird auf dem Gelände geskatet. Teils legal, auf dem Platz der Nationen, vorne, oder nicht ganz rechtmäßig an Berufsschule und Sonnentreppe, hinten. An lauen Sommerabenden ist die große Steintreppe an der Rückseite des Turms vollbesetzt. Sonnenuntergang mit Fläschchen Bier, zu leichten Klängen von der Jazz-Kombo, die am Fuße der Treppe ausgepackt hat – perfekt. Dazu tricksen dann noch ein paar Skater und BMXer auf provisorischen Rampen – tolle Unterhaltung für das Publikum, leider wenig unterhaltsam für die anliegende Gastronomie. Umso überraschender war es, als der Stadtdirektor persönlich auf Mitglieder der Skateboardinitiative Dortmund zukam und ihnen ein unausschlagbares Angebot machte: Wir überlassen euch die Fläche zwischen Emil-Moog-Platz und FZW - ihr macht was draus. Für dir Szene aus heiterem Himmel die Chance, einen Ort ganz nach ihren Wünschen und Vorstellungen zu gestalten - nicht einfach verjagt zu werden, sondern Raum zugesprochen zu bekommen, um zu beweisen, was in ihnen steckt. Wir haben Jana, Kassenwartin der Skateboardinitiative Dortmund am Platz getroffen und uns ein bisschen was über den Skatepark "U-topia" erzählen lassen.

 

U-topie

Jana hat mit dem Skaten erst recht spät begonnen. Als Tochter einer Kleinstadt, kam sie erst mit Studium und Umzug mit der Skaterszene in Berührung. Und selbst dann: Mit Anfang zwanzig braucht es schon Überwindung, um sich als Anfänger in einen Skatepark zu wagen. Die Cracks zeigen die wildesten Tricks und Du rollst nur von A nach B. Das ist nun einige Jahre her. Vor drei Jahren ging es für Jana dann nach Dortmund – coole Stadt, so grün, so bunt und sogar mit Hafenidyll. Das Sahnehäubchen des Umzugs: Dortmund ist eine Stadt mit einer langen Skatetradition. Janas halbes Leben dreht sich um Bretter und Rollen. Sie steht fast täglich entweder in der Dortmunder Skatehalle am Dietrich-Keuning-Haus, hilft beim Projekt am U oder kümmert sich um Organisatorisches. Dabei ist Jana hauptberuflich eigentlich Studentin. Wirklichen Stress bereitet Jana die viele Arbeit nicht. Das gemeinsame Basteln am Park am U schweißt zusammen. Wenn der Beton mal wieder trocknen muss, wird viel gequatscht, gescherzt und natürlich geboardet.

 

Aber was entsteht da nun eigentlich, auf der langen, abschüssigen Asphaltfläche am Fuße des U-Turms? Kurz gesagt: ein Do-it-Yourself-Skatepark. Mit dem "Go" der Stadt, scharte sich die Szene prompt um die Skateboardinitiative Dortmund und begann zu planen. Kreative Ideen gab es zu Hauf, problematisch war und ist die Finanzierung von Material, Werkzeugen und anleitenden Experten. Die Stadt stellte die Weichen mit Platz, sanitären Anlagen und so weiter, alles weitere entsteht aus dem Schweiß und Blut der freiwilligen Helfer. Um die Vereinskasse aufzubessern bedruckten und Jana und ihre KollegInnen T-Shirts, die sie gegen Spenden an Unterstützer abgaben. Der Plan ging auf, der Bau startete mit einem Workshopwochenende zur Verarbeitung von Beton.

 

Das große Engagement, das von Anfang an da war, hat bis heute nicht abgerissen. Täglich sind ein gutes Dutzend Helfer vor Ort. Einen richtig festen Plan für die Gestaltung des Platzes gibt es nicht. Nur am unteren Ende sollte ein großer Pipe-Kessel entstehen. Der ist mittlerweile fertig und schon viel befahren. Die restliche Ausgestaltung liegt frei beim Bau-Team. Am besten wissen einfach die Skater selbst, auf was sie Lust haben, was sie fordert. Und so entstanden innerhalb weniger Tage eine ganze handvoll Rampen und Rails in den verschiedensten Formen. Der Platz ist bereits vor offizieller Eröffnung zum Sammelpunkt der Szene geworden. Mitmachen kann so weit jeder, der sich nicht zu schade ist, sich die Hände schmutzig zu machen. Unter der großen Platane ist ein Wohnzimmer aus Palettenmöbeln entstanden, an einer Bühne wird derzeit noch gewerkelt. Das imposante Eingangstor ist das Uni-Projekt einer Helferin. Selbst einen Platzwart hat der Skatepark. Chris bewohnt das zugesprayte Pförtnerhäuschen am unteren Ende des Platzes. Er verschönert den Platz mit seinem Kunstwerken aus Schrott und passt nachts auf. 

 

Nun lassen sich Skateelemente nicht einfach so herbeizaubern. Sie müssen robust, wetterfest und trotzdem gut befahrbar sein. Alle größeren Rampen haben als Kern einen Holzrahmen. Der Rahmen deutet die Form an, die das Element später haben soll. Das Skelett wird dann mit Schutt und Erde aufgefüllt und mit Metallstangen oder -gittern belegt. Auf diese kommt dann der Beton – oft von Hand gerührt und mit Mühe händisch aufgegossen.  Sobald die Arbeit mit dem Beton beginnt, gibt’s dann auch keine Pausen mehr – da muss durchgeackert werden, bis die Form stimmt und die Masse endlich trocknen kann. Für die meisten  Helfer ist diese Arbeit Neuland - gut, dass die Skateboardinitiative ein paar Skateparkbauer in den eigenen Reihen hat.

 

Die Nutzung des Platzes ist vorerst bis Oktober 2018 terminiert. Es gibt bereits einen Bebauungsplan für das Gelände. Jana und die Skateinitiative hoffen aber, dass sich der Spatenstich zu ihren Gunsten verzögert. Die Entscheidung, den Skatepark trotz Terminierung so zu sagen in „Beton zu meißeln“, war eine bewusste. Der Park soll auf jeden Fall weiterbestehen – hier oder woanders. Der Stadt hat die Dortmunder Skaterszene längst ihre Daseinsberechtigung und ihren Wert für die Stadt bewiesen. Das Projekt beweist, dass auch mit sehr geringen finanziellen Mitteln, aber umso mehr Herzblut, tolle Orte geschaffen werden könne, die die Stadt besonders machen. Mit dem Skatepark liegt am Fuße des Millionenprojekts U-Turm ein Raum, der ganz allein von der Szene für die Stadt geschaffen wurde. Das Projekt zeigt, was für außergewöhnliche Dinge entstehen können, wenn die tatsächlichen Nutzer mit in einen Bauprozess einbezogen werden. Jana und die Skateboardinitiative sind begeistert, Dortmund mitgestalten zu dürfen; Dortmund wiederum freut sich über einen neuen Lieblingsort. 

 

Yardopia

Am kommenden Sonntag (22. Juli) wird der Platz zum ersten mal der breiten Öffentlichkeit geöffnet. In Zusammenarbeit mit dem Junkyard, Blackplastic und Farbaffäre Tätowierungen wird die neue Bühne eingeweiht. So ganz fertig ist der Park noch nicht, Du hast trotzdem schon die Möglichkeit Dir bei guter Musik und Freibier die bisher getane Arbeit anzusehen. Dazu gibt’s Verlosungen, Trödel und natürlich Skateraction. Los geht’s um 14 Uhr, bis spätabends. Der Eintritt ist selbstredend frei.

 

Auch die Skateschule kommt in den Sommerferien auch raus ans U. In den Ferien kann hier jeden Donnerstag und Sonntag von 11.30 bis 14.00 Uhr unter Aufsicht und Anleitung geskatet werden. Mitmachen kann jeder, der Lust und Traute hat. Das Angebot ist für Kids aber auch jung gebliebene Erwachsene, die gern etwas Neues wagen möchten. Schoner und Boards können selbst mitgebracht oder vor Ort geliehen werden.