Geschichten aus Dortmund

Menschen aus Dortmund

„Mensch, kommt rein und macht’s Euch gemütlich – ach, schön, dass Ihr hier seid!“ So begrüßte uns vor ein paar Wochen Felix Krämer. „Moment, ich bin gleich bei Euch, ich muss noch schnell…“, wer Felix kennenlernt, merkt schnell, er steht unter Strom. Unter positivem Strom. Felix ist in fünfter Generation Teil eines Dortmunder Familienbetriebs, der August Krämer Kornbrennerei. Dabei hatte Felix zu Studienzeiten eigentlich gar nicht vor in der Manufaktur miteinzusteigen, auch Dortmund hatte er nicht zwingend auf dem Schirm. Wieso er nun doch hier ist und warum das genau die richtige Entscheidung war, hat er uns erzählt.

 

 

„Ich habe nie Druck verspürt auch in die Brennerei mit einzusteigen“, erzählt Felix. „Meine Eltern haben mich immer frei entscheiden lassen.“ Und darum ging er zunächst seinen eigenen Weg nach Erlangen und Regensburg um Physik zu studieren. „Klar, in dieser Zeit hab‘ ich auch immer wieder mal im Familienbetrieb ausgeholfen.“ Schon während des Studiums merkte er, dass er sich selbst auf den typischen Berufswegen für Physiker – in Wirtschaft, Forschung oder Industrie -  nicht sah. „Der Bezug fehlte.“ Felix liebt kreative Herangehensweisen, begeistert sich für klassische Musik, wie er uns erzählt.

 

Für die Katz‘ war das Studium aber nicht, schließlich lässt sich das Studierte auch prima im Familienbetrieb anwenden. Hier muss er nicht nur mit Zahlen arbeiten, sondern kann vielseitige Probleme lösen, Altbewährtes der Zeit anpassen, sich in der Produktentwicklung und -optimierung einbringen und Ideen für die Zukunft spinnen, sich ausprobieren, mitten drin sein. Mittendrin sind auch wir, als er uns einzelne Stationen der Produktion erklärt, durch die Ausstellungs- und Verkaufsräume führt und uns den Kollegen vorstellt. „Es macht Spaß alles mit der Familie voranzutreiben, gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Jede Generation gibt der anderen was - das hat nicht jeder, das weiß ich zu schätzen“, erklärt Felix. Die Familie Krämer gibt nicht nur den Stab von Generation zu Generation weiter, sondern bringt Projekte auch gemeinsam auf den Weg.

 

Eines dieser Projekte ist die Schokolaterie. „Wartet, ich hol‘ Euch mal ein paar Stückchen Dortmunder Kohle.“ Hö? Wir gucken uns ein wenig fragend an, aber wird schon was mit Schokolade sein. Und natürlich kommt Felix mit einem kleinen Teller feiner Schokotrüffel zurück. „Mit einem Hauch Krämer Schnaps“, und schwups, schwärmt er von der Schokoladenverarbeitung und wir gleich mit. Keine Frage, er ist wirklich mit ganz viel Herzblut dabei, kennt alle Produkte bis ins kleinste Detail. Was für ein Glückstreffer, wenn der Job so viel Spaß macht, zur Herzenssache wird und dann noch läuft. Gerade eben wird auf dem Krämer-Gelände am Schwanenwall kräftig renoviert, der Hof wird schick gemacht. Kopfsteinpflaster, schicke Ladenflächen in die gerade raumideen einziehen wird, am Rande ein riesiger Baum, dessen Laub wunderbar raschelt. Das angrenzende Gebäude wird grundsaniert und im Pattere entsteht ein Ladenfläche, die wie gemacht ist für ein Café. „Wär‘ doch klasse, wenn hier ein Vertreter der Third-Wave-Coffee Bewegung reinkäme oder? Und hier unter dem Baum setzen wir noch eine schöne Terrasse hin mit Platz für mögliche Cafégäste – da kann man im Sommer doch wunderbar Kaffee trinken, seine Zeitung lesen. Hat was von den Hackeschen Höfen.“ Ja, das wär‘ schön, denken wir und träumen gemeinsam mit Felix von lauen Sommerwochenende, an denen wir uns hier ein Frühstück bestellen. Träumen und Ideen spinnen kann man mit Felix wunderbar – da ist er wieder, der positive Strom. Den er unbedingt auch einsetzen möchte, um Dortmund ein bisschen schöner zu machen. Um der Stadt etwas zu geben, denn hier fühlt er sich wohl, hat seine Heimat gefunden. „Ich find’s spannend, dass sich in den letzten Jahren wirklich einiges tut in der Stadt. Jüngere Köpfe gehen auch mal andere Wege. Wenn wir uns jetzt alle noch ein wenig mehr vernetzen und gemeinsam anpacken, können die Stadt und wir alle nur profitieren“, ergänzt er.

 

Zeit für einen Ausgleich zur Arbeit findet er trotz der vielen Projekte noch ab und an. Neben gutem Essen, Abenden mit Freunden, ist eine seiner großen Leidenschaften der Lindy Hop. Was ist Lindy Hop? Ein Tanzstil aus den USA der 1930er, für den es richtige Events gibt, nicht nur Deutschland- sondern auch Europaweit. Und es ist noch gar nicht so lang‘ her, da ist er für ein Lindy Hop-Event nach Dänemark gereist und hatte eine Begegnung der besonderen Art, dort fand er nämlich die große Liebe. „Wir haben die ganze Nacht durchgetanzt, morgens einen Kaffee getrunken und gleich eine Woche Urlaub drangehangen“, lächelt er glücklich. Inzwischen ist die 6. Krämergeneration auf dem Weg und Felix freut sich auf das Familienleben in Dortmund. Für ihn ist Dortmund Heimat und das wünscht er sich auch für seine Freundin und den Nachwuchs.

 

Schau' doch mal vorbei in der August Krämer Kornbrennerei, die Familie Krämer und alle Mitarbeiter der Manufaktur beraten Dich rund um edle Tropfen und Schokolade, immer mit einer ordentlichen Portion Herzblut.