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Im Familien-Interview: Jana – Mama und Designerin

|   Familienzeit

Nähen, um sich auszudrücken und die Familienkasse aufzubessern: Jana bietet unter ihrem Label "Creamy Cotton Company" selbstgenähte Kinderklamotten an. Kreativität so auszuleben, dazu regt sie nicht nur ihre eigenen Kinder an – in der Kita hat sie ebenfalls Nähprojekte gestartet.

Was nähst Du so?  
Grundsätzlich nähe ich alles, was mir Spaß macht – und am liebsten für meine Familie und Freunde. Aus dem Hobby ist 2012 mein Label “Creamy Cotton Company” (CCC) entstanden. Der Name steht für die weichen Stoffe, die ich für die Verarbeitung wähle. Ich achte besonders darauf, schadstoffgeprüfte Textilien und Bio-Stoffe zu verwenden. Für CCC nähe ich hauptsächlich Kleidung für Kleinkinder, aber auch Accessoires für Kinder und Erwachsene. Mir ist es wichtig, Sachen zu schaffen, die gemütlich sind und aus denen die Kinder nicht so schnell rauswachsen – wie beispielsweise die Mitwachshose.  

   

Wie bist Du zum Nähen gekommen?  
Vor ungefähr 12 Jahren hat mir mein Mann Arie einen Nähkurs an der VHS in Dortmund geschenkt. Den Kurs habe ich dann mit ein paar Freundinnen besucht. Anschließend habe ich mir das Nähen Stück für Stück anhand von YouTube-Videos und Tipps einer Freundin, die gelernte Schneiderin ist, selbst beigebracht. Nähbücher als Anleitung zum Nähen fand ich zu kompliziert. Da fühle ich mich ähnlich wie bei Bastelbüchern: Alles sieht so einfach aus, ist aber viel zu umständlich beschrieben.  Mal ganz davon abgesehen, dass meine Ergebnisse nicht ansatzweise so aussehen wie die Fotos im Buch. 

    

Was war Deine erste Näharbeit?
Ich habe damals versucht, ein sehr beliebtes Accessoire zu nähen, den “Loop-Schal". Eigentlich super einfach und in zehn Minuten zu nähen, wenn man nicht gerade Anfänger ist. Ich habe damals, glaube ich, drei Versuche und mehrere Stunden gebraucht. Aber den fertigen Loop habe ich heute noch. 

   

Nähen ist seit einigen Jahren stark im Trend. Ist das eher ein Vorteil oder ein Nachteil für Dich?
In erster Linie möchte ich jeden dazu ermutigen, selbst kreativ zu sein. Wenn mir etwas gut gefällt, was ein anderer genäht hat, kaufe ich auch gern bei der “Konkurrenz” ein. Ich finde es schön, sich gegenseitig zu unterstützen. Das Nähen ist für mich ja auch nur ein zweites Standbein. Daher mache mir auch nicht zu viele Gedanken darüber. Ich bin sehr dankbar, dass mir Sabrina und Eva von Edelweiß die Möglichkeiten geben, meine genähten Werke in ihrem Grafikbüro zu verkaufen. Jedes Mal, wenn ich an dem Schaufenster vorbeikomme, macht es mich auch ein bisschen stolz. 

   

Auf welches Stück bist Du besonders stolz?
Allgemein bereitet mir das Nähen für meine eigenen Kinder am meisten Freude.  Dabei werde ich von meinem sechsjährigen Sohn Eddie häufig unterstützt. Beispielsweise beim Entwerfen seiner Karnevalskostüme hat er genaue Vorstellungen, die ich dann umsetzen soll. So Gemeinschaftsprojekte wie zum Beispiel die genähte Schultüte zu seiner Einschulung erfüllen mich mit Stolz, weil in solchen Werken eben besonders viel Herzblut steckt. 

   

Zeigen Deine Kinder auch Interesse am Nähen?
Auf jeden Fall! Eddie stellt sich oft selbst Stoffe für seine Kleidung zusammen, manchmal so gar nicht nach meinem, aber dafür umso mehr nach seinem Geschmack – und das finde ich großartig! Selbst mein anderthalbjähriger Sohn Toni zieht manchmal einige Stoffe gezielt aus dem Regal. Aktuell sind Krokodile oder “Der kleine Maulwurf” sehr gefragt. Die legt er mir dann zum Nähen hin. Im Anschluss ist er dann immer sichtlich stolz auf das “exklusive” Kleidungsstück. Gerade unter Corona – in der Zeit, in der wir viel zu Hause sind – haben Eddie und ich uns gemeinsam vielen Nähprojekten gewidmet. Zudem wird alles, was als “Verschnitt” abfällt, wiederverwertet und zum Basteln genutzt. 

   

Also würdest Du sagen, dass Nähen auch einen pädagogischen Mehrwert hat?
Absolut! Ich finde, dass Handarbeiten – wie eben auch das Nähen – Kinder in vielen Bereichen fördern können: Neben der Konzentration und Feinmotorik stärkt es das Selbstbewusstsein, die Selbstwirksamkeit und fördert die Kreativität. Darüber hinaus lernen sie die Dinge mehr wertzuschätzen, indem sie sehen, wie etwas entsteht und wie viel Zeit, Geduld, Liebe und Arbeitsaufwand sich dahinter verbergen.  

   

Siehst Du Nähen als Ausdruck der Persönlichkeit?
Kinder haben von Natur aus ein großes Bedürfnis danach, sich auszuprobieren und sich in verschiedenen Weisen auszudrücken. Es gibt so viele Möglichkeiten dabei kreativ zu werden. Wer etwas erschaffen möchte, der braucht eben auch das richtige Werkzeug. Sei es ein Stift, ein Pinsel, eine Schere, ein Hammer – oder eben Nadel und Faden. Daher finde ich es wichtig, sich auf verschiedenen Ebenen auszuleben um herauszufinden, was einem am meisten Spaß macht und am besten liegt.  

    

Bevor Du in Elternzeit gegangen bist, hast Du im Kindergarten gearbeitet. Hast Du dort auch mit den Kindern genäht?
In der Vergangenheit habe ich bereits zwei Nähprojekte mit Vorschulkindern gemacht. Unter dem jeweiligen Motto “Mein Monster” und “Mein Superheld” haben die Kinder eigene Kuscheltiere entworfen, also gemalt und mit Hilfestellung dann auch eigenständig genäht. Besonders schön fand ich, dass es dabei nicht um vorgefertigte Schnittmuster ging, sondern um die Fantasie der Kinder. Sie saßen über längere Zeit an der Nähmaschine und waren dabei hochkonzentriert. Die Ergebnisse waren einfach super toll und die Kinder waren sehr stolz.   

    

Kinder, Ehemann, Haushalt – wann nimmst Du Dir die Zeit zum Nähen?
Meist nähe ich an Regentagen, da die Familienzeit für mich im Vordergrund steht und wir bei gutem Wetter oft Ausflüge ins Grüne machen. Ansonsten finde ich oft abends Zeit zum Nähen oder lege die eine oder andere Nachtschicht ein.  

   

Wie unterstützt Dich Dein Mann bei deiner Arbeit?
Arie hat mich von Anfang an großartig unterstützt und eigentlich war es sogar seine Idee, ein Gewerbe anzumelden. Er hat außerdem mein Logo und meine Visitenkarten, die zugleich die Preisschilder sind, entworfen. Bei der Entscheidung von Stoffkombinationen oder beim Kauf von Stoffen frage ich ihn oft nach seiner Meinung. Wenn wir auf Märkten einen Stand gemacht haben, hat er sich als richtiges Verkaufstalent entpuppt und die Kunden beraten. Abgesehen davon schafft er mir Freiräume zum Nähen, indem er sich Zeit für die Kinder nimmt. Aber das macht er ohnehin sehr gerne und häufig. Viele Dinge sehen wir oft als sehr selbstverständlich an, ich würde aber sagen, dass er mich da schon besonders unterstützt und meine Werke auch wertschätzt – für das alles bin ich ihm sehr dankbar!  

   

Arie war früher als DJ in Clubs wie Soundgarden und dem Untergrund in Bochum. Habt Ihr Euch auch im Club kennengelernt?
Während meines Studiums habe ich im Untergrund gekellnert und Arie hat dort neben seiner Haupttätigkeit als Bauingenieur aufgelegt. Dort haben wir uns dann während der Arbeit kennengelernt. Der Clubinhaber ist ein langjähriger Freund von Arie und war drei Jahre später auch unser Trauzeuge. 

   

Also warst Du früher eine kleine Partymaus?
Ich bin gerne mit Freunden unterwegs, gehe gern unter Leute, tanze sehr gerne zu guter Musik und finde an besonders schönen Abenden auch schwer ein Ende vor dem Morgengrauen… Also könnte man das so sagen. (lacht)  

   

In welcher Form hat sich Euer Leben mit den Kindern geändert?
Tatsächlich hat sich alles geändert ... na ja, die kurzen Nächte bleiben vielleicht, aber auf einer anderen Ebene. (lacht) Doch angefangen vom frühen Aufstehen bis hin zum Verkauf des Motorrads stellt man fest, dass sich doch ganz andere Prioritäten ergeben und somit auch Freundeskreise verkleinern, aber eben auch erweitern. Auch wenn eigene Kinder einen oft genug fordern oder immer wieder an neue Grenzen bringen und vor allem Corona uns noch einmal vor ganz neue Herausforderungen stellt, so bin ich dankbar für jeden Tag mit meiner Familie und der Meinung, dass wir noch viel mit und von unseren Kindern lernen können. Ich würde niemals mein jetziges Leben gegen das vor sieben Jahren tauschen. Ich blicke gerne auf die Zweisamkeit und Freiheiten zurück, aber erst die Kinder haben uns vollkommen gemacht. 

   

Hast du einen besonderen Ausflugstipp für Familien in Dortmund?
Wir sind gerne mit dem Rad unterwegs, zum Beispiel in der Bolmke (einen ausführlichen Ausflugstipp von uns gibt es hier) oder auch im Rombergpark (und hier). Dort gibt es einen kleinen Naturpfad mit Sand, Dünen und Pinienbäumen, bei dem tatsächlich auch ein paar Urlaubsgefühle aufkommen. 

   

Was ist Dein absoluter Gute-Laune-Song?
Am liebsten höre ich Songs von Johnny Cash, Cat Stevens, Rise Against, Queen, The Gaslight Anthem und den Ramones. Aber als gute Laune Song kann ich The Wombats mit "Let's Dance to Joy Division" empfehlen. Das Lied erinnert mich an alte Zeiten im Untergrund, da Arie den Song häufig aufgelegt hat.  

     

Wer unsere Fragen beantwortet hat...
Jana Schnettler (36) hat Soziale Arbeit in Bochum studiert und arbeitet als Erzieherin in einer Kita in Dortmund. Gerade ist sie noch in Elternzeit. Gemeinsam mit Ehemann Arie und ihren beiden Jungs, Eddie und Toni, wohnt sie in einer Wohnung mitten im Kreuzviertel. Die zweifache Mama hat sich mit dem Nähen ein zweites Standbein aufgebaut. Ihr Label “Creamy Cotton Company” vertreibt Jana überwiegend im Edelweiß in der kleinen Beurhausstraße, aber auch Wunschaufträge nimmt die Mama – sofern es die Zeit zulässt – gerne entgegen.

Interview: Beate Hassel

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