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Im Familien-Interview: Julia – Mama und Eis-Kreative

|   Familienzeit

Von der Berliner Hausbesetzerin zur Dortmunder Eisdielenbesitzerin war es ein langer Weg. Der Kugelpudel ist Julias Baby und dafür hat sie hart gekämpft. Im Familieninterview erzählt die zweifache Mama, wie sie Feuer für das Eis gefangen hat, vom Neuanfang und den Wünschen ihrer Töchter…

Isst Du täglich Eis?  
Nein, nicht täglich. Aber wenn ich das Eis selber mache, probiere ich es natürlich auch –Qualitätscheck quasi. Gerade wenn es frisch aus der Maschine kommt, hat es eine cremige Softeis-Konsistenz, da kann ich nicht widerstehen.

   

Woher kommt Deine Leidenschaft für Eis?  
Als ich damals in einem besetzten Haus in Berlin gelebt habe, hatte ich wenig Geld und habe trotzdem immer versucht, kreativ zu kochen und zu backen. Das war schon immer eine Leidenschaft von mir.  
Als die Kinder später kamen, waren wir dann häufig Eisessen und haben uns durch die verschiedensten Sorten probiert. Aber mir schmeckte das Eis überhaupt nicht und ich habe es nicht selten einfach weggeworfen. Danach habe ich ein Buch mit Eisrezepten aus der ganzen Welt in den Händen gehalten und wollte es unbedingt selbst ausprobieren. So habe ich dann Feuer gefangen und wollte eine eigene Eisdiele aufmachen. 

   

Hast Du das Handwerk gelernt?  
Ich habe 2012 einen Kurs bei einem Konditor gemacht, bei dem ich die Grundlagen des Eismachens gelernt habe. Eigentlich komme ich aus dem kreativen Bereich und habe in der Vergangenheit viel fotografiert. Beim Eismachen kann ich aber auch kreativ sein. Das macht sogar richtig Spaß auszuprobieren, welche Geschmackssorten miteinander harmonieren – und dabei neue Kreationen zu erschaffen. Meine Gastroerfahrungen kommen mir dabei auch zugute.  

   

Welche Erfahrungen sind das? 
I
n der Gastronomie wird besonders Wert auf Service und Hygiene gelegt, das hat oberste Priorität und das gilt im Kugelpudel natürlich auch. Für mich ist es zudem wichtig, mit meinen Angestellten auf Augenhöhe zu kommunizieren. Auch wenn mir dadurch nicht immer die Rolle der Chefin abgenommen wird. Ich habe mittlerweile zwei Standorte in Bochum und Dortmund und stecke viel Arbeit in die Läden, das ist wichtige Lebenszeit. Diese Lebenszeit möchte ich mit guten Menschen und einem guten Gefühl verbringen. 

Ich wollte mit dem Kugelpudel einen Ort schaffen, an dem sich die Leute treffen und austauschen können. Wo gute Laune herrscht – aber im Gegensatz zu den Kneipen und Bars, in denen ich früher gearbeitet habe, ohne den Einfluss von Alkohol.  

   

Wie bist Du auf die Idee zum Kugelpudel gekommen?  
Die Grundidee und das Konzept zum Kugelpudel stammen von mir. Mit meinem damaligen Freund habe ich im Dezember 2012 den ersten Laden in Bochum eröffnet. Dann kam die Trennung und auch der „Sorgerechtsstreit“ um den Kugelpudel.  
Ich habe noch nie so sehr um etwas gekämpft, wie um diesen Laden, denn da steckt so viel Herzblut von mir drin. Am Ende durfte ich den Namen Kugelpudel behalten, nur leider musste ich aus den Räumlichkeiten raus. 
Ich hab den Kugelpudel Anfang 2014 am neuen Standort im Kortländer-Kiez in Bochum eröffnet und hatte da keinen leichten Start. Als "die Neue" im Viertel, mit ungewöhnlichem Konzept eines Eisladens, musste ich mir die Akzeptanz der Nachbarschaft erst mal erarbeiten.  
   

Kugelpudel Garten Eden
Der Kugelpudel, direkt gegenüber vom U auf der Rheinischen Strasse, gehört zu unseren Lieblingsorten. Hier gibt es eine große Auswahl an ausgefallenen Eissorten - darunter auch ganz viel veganes Eis. Wenn Ihr mehr erfahren wollt, dann schaut mal auf der Seite unserer Lieblingsorte vorbei oder kommt am besten direkt vor Ort auf den Geschmack! 

   
Deine beiden Töchter sind schon flügge geworden und wohnen nicht mehr bei Dir. Wie ist Euer Verhältnis? 

Ich würde sagen, mittlerweile wieder richtig gut. Es gab eine Zeit, das war es nicht so. Gerade als ich die Läden neu eröffnet habe und viel Zeit und Arbeit investiert habe, sind die Mädels etwas auf der Strecke geblieben. Ich hatte wenig Zeit für sie und konnte nicht wie die vorbildliche Mama mittags das Essen auf den Tisch bringen. Da musste es abends die Pizza aus der Tiefkühltruhe regeln. Das war eine große Veränderung für sie, denn es gab auch Zeiten, da sagten sie: "Mama, koch doch bitte nicht immer Gerichte mit mehr als vier Gemüsesorten."  

   

Hatten Deine Töchter dadurch, dass Du so viel gearbeitet hast, mehr Freiheiten als andere?  
Ich war immer die lockere Mutter, für die sich die beiden eher geschämt haben, während mich ihre Freundinnen ganz cool fanden. Sie hatten sich damals eher die konventionelle Mama gewünscht und fragten auch, warum wir nicht in den Pauschalurlaub fahren oder eine Einbauküche bei uns zu Hause steht.  
Ich habe meinen Töchtern aber immer vertraut und sie vieles machen lassen. Für mich war es nur wichtig, dass sie mit mir offen sprechen, wenn sie ein Problem haben oder sie etwas bedrückt.  .  
Mittlerweile sind sie in einem Alter, indem sie sehen und verstehen, wie viel Arbeit hinter der Selbstständigkeit steckt. Dafür haben sie Verständnis und unterstützen mich sogar dabei, indem sie mir zeitweise auch in den Läden aushelfen. Dort blühen sie auch richtig auch.    

   

Möchten Deine Töchter mal in deine Fußstapfen treten?   
Das kann ich nicht sagen. Sie sollen sich erst mal ausprobieren, um zu erfahren, wohin es sie mal führt. Mein Weg war auch nicht gerade.  
Die Große ist nach dem Abi nach Australien und Neuseeland gegangen, für ein Work & Travel. Danach hat sie Tourismusmanagement studiert und macht jetzt ein freiwilliges Soziales Jahr in einem Kindergarten in Hamburg. Die Kleine steckt gerade in den Abiklausuren und möchte danach auch reisen.  

   

Dann haben sie das Rastlose wohl von Dir geerbt… Was hat dich ins Ruhrgebiet gezogen?  
Durch den Beruf meines Ex-Mannes sind wir oft umgezogen. Wir sind von Berlin zuerst nach Oldenburg gezogen. Die Menschen waren sehr verschlossen und kühl, sodass wir da nur schwer Anschluss gefunden haben.  
Danach sind wir nach Wuppertal gezogen. Dort hat es mir viel besser gefallen. Die alternative Szene hat mich schon mehr an Berlin erinnert, dort gab es viele Kunst- und Kulturangebote. Danach bekam er einen Job in Bochum und so kamen wir ins Ruhrgebiet. 

   

Hast Du einen Ausflugstipp für Familien in Dortmund?  
Mich begeistert es jedes Mal, wie grün Dortmund ist. Es gibt hier so viele Parks, ob in der Innenstadt oder in den äußeren Stadtbezirken. So findet man immer wieder im stressigen Alltag einen Rückzugsort. Besonders toll finde ich auch die Summersounds DJ Picknicks, die in den Parks stattfinden. Dort sind wir auch immer gerne mit unserem Eiswagen dabei. 

   

Was ist Dein absoluter Gute-Laune-Song?   
Das ist ein Lied aus dem Film "Django Unchained". Der Titel "Freedom" von Anthony Hamilton & Elayna Boynton erinnert mich an einen bestimmten Lebensabschnitt, an den ich gerne zurückdenke. Damals, als ich den Kugelpudel gegründet habe, hat mich der Song begleitet. 

    

Wer unsere Fragen beantwortet hat...
Julia Bernecker (45) ist Inhaberin vom Kugelpudel, Mutter von zwei Töchtern (19 und 22.), die schon aus dem Haus sind, und kommt ursprünglich aus Berlin. Dort wohnte sie zeitweise mit ihrem Freund in einem besetzten Haus, machte eine Schneiderlehre, arbeitete als Fotoassistentin und jobbte viel in der Gastronomie. Durch ihren Ex-Mann zog es Julia später von Oldenburg über Wuppertal bis nach Bochum. Dort eröffnete sie 2012 die erste Kugelpudel-Eisdiele. 2018 kam auch der zweite Standort in Dortmund dazu. 

Interview: Beate Hassel

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