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Im Familien-Interview: Kirsten – Mama und Stadtführerin

|   Familienzeit

Im Job fährt Kirsten mit kleinen Gruppen auf Segways durch die Stadt und erzählt ihnen etwas über Geschichte und Kultur. Auch privat lebt sie ihr kulturelles Interesse mit ihren beiden Töchtern aus. Dann aber in Kombination mit Shopping, Fast Food oder Hundeschlittenfahrten.

Du hast Kulturwissenschaften studiert und in Museen gearbeitet. Wie kam Dir die Idee zu deiner Agentur "Sanfte Touren"?
Bei meiner Arbeit an den Museen war mein persönlicher Ansporn, Kultur zu vermitteln und dabei die Ausstellung lebendig zu machen. Die DASA ist hierbei ein Vorbild in der Szenografie. Ein so langweiliges Thema wie Arbeitsschutz interaktiv und spannend darzustellen, ist nicht einfach.

Bei Sanfte Touren haben wir das Prinzip übernommen: Dabei geht es darum, draußen unterwegs zu sein, etwas zu erkunden und ganz nebenbei etwas über die Kultur zu lernen.

   

Wie unterscheidet sich Euer Programm von anderen Stadttouren? 
In erster Linie sind wir bekannt für unsere Segway-Stadtführungen. Wenn man also eine Gruppe mit Segways auf der Straße sieht, ist es in der Regel eine Tour von uns. Die Teilnehmer erhalten dabei über ein Audiosystem Informationen zu den Landschaften und Gebäuden. Die Touren sind unterschiedlich: von Industriekultur mit Zechen und Halden bis hin zur Grünen-Tour, die durch den Botanischen Garten im Rombergpark und die Bolmke führt. 

Wir bieten aber auch den beliebten Skywalk auf Phoenix-West an, bei dem man bis auf 68 Meter Höhe auf die Plattform eines Hochofens steigt. Der spektakuläre Ausblick über das Gelände ist jede einzelne Stufe wert. 

   

Wie bist du darauf gekommen, die Touren mit den Segways anzubieten?
Die Segways habe ich schon 2007 in Paris kennengelernt. 2009 kam dann auch bei uns in Deutschland die Straßenzulassung. Ich wollte damit eine Verbindung zwischen Spaß und Kultur schaffen. Dortmund ist eben keine Altstadt, bei der alles auf einem Fleck zusammenkommt. Die Segways machen uns mobil und bringen uns in unterschiedliche Ortsteile, ohne dabei in einen Bus steigen zu müssen. 

Bei Sanfte Touren setzten wir zudem die Technik als unterstützendes Mittel ein. Wir arbeiten zum Beispiel mit NFC – einer Technik, die einen kontaktlosen Austausch von Daten auf dem Handy ermöglicht. Dabei scannen die Teilnehmer mit ihrem Mobiltelefon einen Code ein und erhalten direkt Bilder und Informationen, ohne etwas herunterladen zu müssen. 

   

Also setzt Euer Konzept auch auf Innovativität und Entwicklung der Technik? 
Wir alle entwickeln uns stetig weiter. So auch unser Programm. Während der Corona-Zeit konnten wir dank der NFC-Technik den Leuten in Dortmund kostenlose Corona-Rundgänge ermöglichen. Eine dieser Touren führt am Landstroper See entlang in Richtung Derne. 

Die zweite Route ist auf Phoenix-West entstanden, bei der sich die Leute an der Bergmann Brauerei ein "Spazierbier" holen und den Weg dann auf eigene Faust ablaufen können. Auf dem Weg kann man dann einfach die Codes von den Plakaten abscannen und Infos zur Geschichte des Geländes auf das Handy bekommen.   

   

Fahren Deine Töchter auch gerne mit den Segways?
Es gab Phasen, da waren sie davon begeistert. Dann gab es Phasen, da fanden sie es doof und peinlich. Ich denke, es ist ihnen eher unangenehm, damit gesehen zu werden. Segways sieht man nicht so häufig auf den Straßen wie mittlerweile die E-Roller. Da fällt man schon auf, wenn man damit unterwegs ist, und es bekommt einen elitären Touch, was meinen Töchtern überhaupt nicht gefällt. 

Im Gegenteil, meine jüngere Tochter Toni sagte einmal: "Die Leute denken dann, ich bin reich – und das will ich nicht!" Und eigentlich ist es schön zu sehen, dass die beiden sich nicht hervorheben möchten und bodenständig sind. 
   

Sanfte Touren
Wollt Ihr auch einmal Eure Lieblingsstadt mit dem Segway erkunden und dabei spannende Hintergrundinformationen bekommen? Oder das Phoenix-Gelände bei einem Spaziergang in luftiger Höhe kennenlernen? Dann schaut Euch das Angebot von Sanfte Touren an – es warten viele schöne Touren, Ausflüge und Veranstaltungen auf Euch! 

   
Besteht das Interesse an Kunst und Kultur auch bei Deinen Töchtern?

Merit und Toni sind mit Kunst und Kultur groß geworden. Wir haben immer gerne Ausflüge in Museen gemacht und bis heute gehört das noch dazu. Wenn wir beispielsweise im Urlaub sind, gibt es häufig Tage, an denen wir Shopping und Kultur miteinander verbinden. 

Wir versuchen immer, auf unsere individuellen Wünsche einzugehen, und äußern diese konkret. So haben wir im Urlaub immer die Vereinbarung: "Jeder ist einmal wichtig!“ Dabei sucht sich jede von uns eine Aktivität nach ihrem Geschmack aus und wir alle sorgen dafür, dass es zustande kommt. Das kann dann auch so ein banaler Wunsch sein, wie eine Kokosnuss am Strand zu schlürfen.  

   

Das klingt danach, als hättest Du ein freundschaftliches Verhältnis zu Deinen Mädels… 
Das kann man so sagen, aber wir haben auch unsere Reibungspunkte. In ihrer pubertären Phase hat Merit dann zum Beispiel einen Schüleraustausch in den USA gemacht. Das hat uns die perfekte "Pause" verschafft.

Ich lasse meinen Mädels ihre Freiheiten – für mich ist es nur wichtig, dass sie ehrlich zu mir sind. Verbote bewirken in der Regel immer das Gegenteil, deshalb habe ich selten welche ausgesprochen. Damit bin ich immer gut gefahren. Ich würde behaupten, ich bin in meiner Erziehung recht locker - meine zwei würden das wahrscheinlich anders sehen: eher streng und bestimmt. Aber wenn es um Tischmanieren geht, kenne ich kein Pardon. (lacht)

   

Können sie sich vorstellen, Deine Agentur später zu übernehmen? 
Das sehe ich ehrlich gesagt momentan nicht. Ich bin froh und stolz zu sehen, dass sich meine Älteste für den gleichen Studiengang wie ich entschlossen hat. Sie studiert auch Industriedesign, möchte aber in eine völlig andere Richtung gehen. Ihr Ziel ist es, später in einem eigenen Lädchen Selbstgemachtes zu verkaufen. 

Bei Toni kann ich das nicht einschätzen, sie geht noch zur Schule und möchte danach erstmal reisen. Sie hat aber ihr Schülerpraktikum im Kindermuseum "mondo mio!" gemacht. Das fand sie super und der interkulturelle Ansatz des Museums hat ihr besonders gefallen.

   

Wie sieht bei Euch ein richtiger Familientag aus? 
Der läuft häufig eher spontan und total chaotisch ab. Was wir an so einem Tag machen, wird eigentlich von der aktuellen Gefühlswelt bestimmt. Wenn Merit dann mittags zu Besuch kommt, kochen wir auch mal zusammen oder wir spielen Karten. Beliebt ist auch unser selbst ernannter "Schweinetag", an dem wir uns vor den Fernseher fläzen und mit Fast Food vollstopfen – das darf auch mal sein. 

Wichtig ist uns dabei nur, die Zeit gemeinsam zu verbringen. Deshalb bin ich mittlerweile davon weggegangen, materielle Dinge zum Geburtstag zu verschenken: Ich schenke lieber Erinnerungen. Dann dürfen sich die Mädels einen besonderen Ausflug oder eine Reise wünschen. Dabei kommen dann auch so coole Unternehmungen raus wie eine Hundeschlittenfahrt, die wir damals in Riga gemacht haben. 

   

Hast Du einen ultimativen Ausflugstipp für Familien in Dortmund? 
Ein Ausflug zum Schultenhof ist immer toll für Kinder und Eltern. Ansonsten finde ich das Angebot vom Naturschutzbund (NABU) ganz spannend. Die NABU-Kids treffen sich draußen in der freien Natur und machen Exkursionen, Experimente und lösen kleine Forschungsaufgaben. 

Für die Ferienzeit kann ich auch das Programm im Regenbogenhaus im Westfalenpark empfehlen. Dort gibt es täglich ein kostenloses Angebot, wo die Kleinen basteln, spielen und sich austoben können. 

   

Was ist Dein absoluter Gute-Laune-Song, von dem Du nie genug bekommst? 
Ich liebe den Song There Is A Light That Never Goes Out" von The Smiths. Er passt eigentlich zu jeder Gefühlslage. Wenn ich traurig bin, trägt er mich und wenn ich glücklich bin, kann ich dazu perfekt mitschmettern.  

    

Wer unsere Fragen beantwortet hat...
Kirsten Behnke (51) ist gebürtige Dortmunderin und Geschäftsführerin von Sanfte Touren. An der Universität der Künste in Berlin hat sie Industriedesign und Kulturwissenschaften studiert. Nach dem Studium kam Kirsten wieder zurück in ihre Heimat Dortmund und wurde Mama. Ihre beiden Töchter Merit (24) und Toni (15) hat sie alleine großgezogen und wohnt mit der Jüngsten zusammen im Saarlandstraßenviertel. Bevor sie sich mit Sanfte Touren selbstständig gemacht hat, arbeitete Kirsten an Ausstellungen – beispielsweise in der DASA und dem Museum Kunst- und Kulturgeschichte.

Interview: Beate Hassel

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