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Im Familien-Interview: Sina – Mama und Yoga-Lehrerin

|   Familienzeit

Angefangen hat alles mit einer Yoga-DVD für Surfer – heute ist Sina ausgebildete Lehrerin und leitet ein Studio. Im Interview erklärt sie, worauf sie bei Kinderkursen besonders achtet, ob ihr eigener Nachwuchs ihre Leidenschaft für Yoga teilt und welche lustigen Parallelen es zu Haustieren gibt.

Wann bist Du zum ersten Mal richtig mit Yoga in Kontakt gekommen?
Ach, das war so vor 14 oder 15 Jahren: Mein damaliger Freund hatte eine DVD – “Yoga for Surfers” – und hat damit Übungen gemacht. “Das ist das Beste für deinen Körper”, hat er immer gesagt. Und das hab ich dann auch mal ausprobiert. Als bei uns um die Ecke das Studio CoolYoga aufgemacht hat, sind wir direkt hin. Wir sind da sofort in einen Kurs für Fortgeschrittene gestolpert, weil wir dachten: “Wir haben ja schon die DVD gesehen…”. Das war natürlich Quatsch. (lacht)

 

Was reizt Dich an Yoga ganz besonders?
Sich körperlich auszupowern, aber auch Momente der Ruhe und Entspannung zu erleben – das beamt einen körperlich und mental in komplett andere Sphären! Das hat mich damals gepackt und fasziniert mich bis heute.

 

Von der Schülerin bist du dann zur Lehrerin geworden. Wie lief das und welche Schwerpunkte hast du?
Das war eigentlich eher Zufall. Meine Lehrerin hat mich vor elf Jahren gefragt, ob ich nicht die Yoga-Lehrer-Ausbildung machen möchte. Auf die Idee wäre ich selbst gar nicht gekommen, hab dann aber nach etwas hin und her “ja” gesagt. Mittlerweile habe ich mehrere zertifizierte Ausbildungen – Basis und Aufbau – bei CoolYoga absolviert und noch weitere Fortbildungen gemacht. Mein Schwerpunkt, wie auch der von CoolYoga, liegt auf dem Vinyasa Yoga. Dabei geht es darum, Atem und Bewegung miteinander zu verknüpfen und in Gleichklang zu bringen, sodass sich der Geist richtig darauf konzentrieren kann und man in einen tieferen Entspannungszustand kommt. Zudem mache ich viel mit Meditation und generell Atemübungen.

 

Jetzt im Lockdown sind ja reguläre Yoga-Stunden nicht möglich. Euer Studio bietet wie viele andere Online-Kurse an. Können die denn ein Ersatz sein?
Klar läuft es da anders, die Energie rüberzubringen. Aber es klappt besser, als ich mir das im Vorfeld gedacht hätte. Wir animieren die Schüler*innen, die Kamera anzumachen, damit wir sie ebenfalls sehen und auch zum Beispiel in der Haltung korrigieren können. Zudem versuchen wir, rund um den Kurs Räume zu schaffen, in denen eine persönliche Atmosphäre aufkommen kann – also einfach vorher oder im Anschluss ein bisschen quatschen und sich über private Dinge austauschen. Auch wenn jeder allein zuhause vor seinem Bildschirm sitzt, kommt dann doch ein Gemeinschaftsgefühl auf. Das ist echt schön und wertvoll!

 

Du hast eine Fortbildung für Kinder-Yoga gemacht. Gefühlt gibt es da immer mehr Kurse, oder?
Yoga für Kinder gibt es schon viele, viele Jahre – aber in der Tat hat es zuletzt stark an Interesse gewonnen. Das liegt natürlich an den Eltern, die vorher allein zum Yoga gegangen sind und jetzt ihre Kleinen mitnehmen oder die Älteren für eigene Kurse anmelden. Mein Eindruck ist zudem, dass der Leistungsdruck bei Kindern sogar schon im Kita-Alter steigt. Daher ist Yoga eine gute Möglichkeit, damit sie mal Stress abbauen und sich selbst wahrnehmen – und auch annehmen. Und das, ohne dass viel von ihnen erwartet wird. Daher wird Yoga für Kinder glaube ich immer populärer.

 

Du hast selbst zwei Söhne im Alter von 1 und 5. Machst Du mit denen Yoga?
Mit dem Großen mache ich ab und zu Übungen: Manchmal hat er keinen Bock und manchmal ich nicht – aber wenn wir es machen, haben wir total viel Spaß. Der Kleine versteht das natürlich noch nicht wirklich. Aber wenn er mich auf der Matte sieht, dann will er immer mitmischen und turnt dann irgendwann auf mir rum. Kinder zieht das meist total an, wenn jemand vor ihren Augen Yoga macht. Das ist übrigens bei Haustieren auch so, wie ich bei den Online-Stunden mitbekomme. Ob Hund oder Katze – die sind gern dabei, gucken interessiert zu und lassen sich von der Stimmung anstecken.

 

Kinder können sich ja nicht so lange konzentrieren wie Erwachsene und sind im Kurs bestimmt ganz aufgeregt und hibbelig. Wie klappt es trotzdem, mit ihnen Yoga zu machen? 
Der Unterschied ist natürlich groß. Meine Fortbildung ist noch relativ frisch, daher habe ich noch gar nicht soooo viel Erfahrung. Aber: Bei Erwachsenen bereite ich den genauen Ablauf einer Yoga-Stunde sehr intensiv vor. Bei Kindern hingegen muss ich da viel freier sein und stärker auf sie reagieren. So erzähle ich dann meist eine Geschichte, entwickle gemeinsam mit ihnen Bilder und lasse ihnen Raum: “Wie könnte ein Hund oder ein Baum oder ein Berg als Bewegung aussehen?” Da kommen sie dann von ganz allein rein. Sie sprießen dann geradezu in ihrer Kreativität – und sind dann wirklich der Berg. Oder bei einer Rakete, die ins Weltall startet, explodieren sie richtig auf ihrer Matte. Da können wir Erwachsene viel von lernen, denn ihr Kopf bremst sie noch nicht so aus wie bei uns.

 

Wenn Zuwachs kommt, stellt sich bei den Eltern automatisch die Frage, ob und wie es mit dem Beruf weitergeht. Wie war das bei Dir?
Während der Elternzeit habe ich fast gar nicht gearbeitet – und war jetzt zuletzt wieder fast ein Jahr raus. Als ich dann wieder angefangen habe, hat mein Freund Elternzeit genommen. Und als die um war, haben wir den Kleinen direkt zum Großen in die Kita gegeben. Das war zwar früh, aber rückblickend eine super Entscheidung. Wir Eltern wollten wirklich gerne beide wieder arbeiten und meinem Sohn hat das auch sehr gut getan, der braucht diesen Input in der Kita. Da ich viele Termine am Abend oder am Wochenende habe, kann ich das zudem ganz gut mit meinem Freund koordinieren.

 

Was denkst Du ist wichtig, damit es im Familienleben klappt?
Feste Zeiten und Rhythmen helfen den Kindern und auch uns Erwachsenen – zum Beispiel feste Essenszeiten. Wichtig ist zudem meiner Meinung nach, als Mama oder Papa immer ein bisschen Zeit auch für sich selbst zu haben – und seien es auch nur zehn Minuten. Für die Zeit bin ich dann mal nicht für die Kinder da, mache nix im Haushalt, gehe nicht einkaufen oder plane irgendwas. Sondern mache mir eine Tasse Tee oder Kaffee und ziehe mich raus und vergesse das ganze Chaos einfach mal kurz. Das ist natürlich schwierig umzusetzen und ich schaffe es nicht immer. Aber es ist jeden Tag mein Ziel.

 

Hast Du als Mama und Yoga-Lehrerin einen Tipp für andere Familien?
Family-Yoga ist echt eine tolle Sache und kann ein super Event sein. Wir von CoolYoga haben nicht regelmäßig, aber immer wieder mal Angebote für Familien. Und jetzt im Februar starten online Kinder-Yogakurse. Probiert das einfach mal aus!

 

Und unabhängig von Yoga: Was sollte jede Familie in Dortmund mal gemacht haben?
Ich finde die Boulderwelt im Indupark super! Die haben einen echt coolen Kinderbereich und die Kurzen wandern da nur so die Wände hoch und runter und haben extrem viel Spaß. Besonders Action-Kinder können sich in der Kletterhalle richtig austoben. Ich finde es immer wieder faszinierend, was die Kleinen für ein natürliches Körpergefühl haben: Die fangen erstmal bei einem kleinen Hindernis an und machen das dann so oft, bis sie bereit sind für das nächste. Ganz von allein. Ich hab noch nie gesehen, dass da mal ein Kind irgendwo runtergefallen ist. 

 

Zum guten Schluss: Corona und die dunkle Jahreszeit können derzeit schon die Stimmung drücken. Welches Lied ist Dein Gegenmittel?
Im Moment höre ich viel Kinderlieder und nur wenig meine eigene Musik. “Wundertoller Tag” von den Giraffenaffen ist voll der schöne Ohrwurm. Generell finde ich die Giraffenaffen super. Auf den Alben interpretieren bekannte deutsche Künstler Kinderlieder neu und da sind richtig gute Versionen dabei.
 

Wer unsere Fragen beantwortet hat...
Sina Rosen (40) kommt aus Soest und lebt seit 20 Jahren in Dortmund. Als Yoga-Lehrerin war sie zunächst selbstständig und hat in ganz vielen Studios im Ruhrgebiet und Umgebung unterrichtet (“Da war ich wie ein Nomade...”). Ihre Homebase war aber immer schon CoolYoga im Saarlandstraßen-Viertel, wo sie nun seit fünf Jahren in Festanstellung arbeitet – erst im Studio in Bochum, jetzt als Leiterin des Studios und der Yoga-Lehrer*innen-Ausbildung “200h Basic Teacher Training” in Dortmund.

Interview: Simon Bückle

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