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Im Familien-Interview: Susanne – Mama und Kinderbuch-Autorin

|   Familienzeit

Bei Susanne ist der Wurm drin. Zumindest in ihren Büchern. Sie schreibt Lerngeschichten für Kinder mit der Protagonistin Wilma Wochenwurm. Und ihre Tochter (7) ist ihre größte Kritikerin. Im Interview berichtet die allein-erziehende Mama, wie sie den Spagat zwischen Schreiben und Erziehen schafft. 

Wie bist Du darauf gekommen, Kinderbücher zu schreiben?
Alles hat 2016 mit meinem Blog "Hallo liebe Wolke" angefangen. Damals war ich arbeitsuchend und habe als Zeitvertreib vom Alltag meiner Tochter Marlene und mir berichtet. Die Leser hatten immer mehr Interesse daran zu erfahren, wie wir alltägliche Themen behandeln. Und so bin ich darauf gekommen Lerngeschichten zu schreiben. Zuerst waren es nur Online-Geschichten, bis ich mich dann getraut habe, sie als Bücher zu veröffentlichen – ohne Verlag dahinter. Klar, war es ein Risiko, aber ich bin unendlich dankbar, dass es geklappt hat und ich so viel Zuspruch erfahren darf!   

   

Wie kommen Dir die Ideen für Deine Bücher?
Die finden sich im Mama-Alltag: Es fängt morgens beim Zähneputzen an und hört abends beim Einschlafen auf – es sind die alltäglichen Probleme. Aber auch Sorgen und Ängste sind wichtige Themen, die ich in meinen Büchern aufgreife. Ich bin froh, dass ich einen so guten Draht zu meiner Tochter habe und wir über alles sprechen können. So bekomme ich mit, was sie beschäftigt oder was gerade in der Schule Thema ist.

    

Deine Lehrgeschichten erzählen von Wilma Wochenwurm. Warum ausgerechnet ein Wurm?
Ursprünglich war Wilma eine Merkhilfe für meine Tochter. Der Wurm besteht aus sieben Gliedern, die jeweils für den einzelnen Wochentag stehen. Ich habe einfach die Wochentage in einer Illustration aneinandergereiht und daraus ist dann Wilma Wochenwurm entstanden.   

   

Und was macht Wilma besonders aus?
Wilma ist empathisch und schafft es ganz gut, die Kinder an die Hand zu nehmen. Ihnen Sachen zu erklären, ohne dabei den Finger zu heben oder belehrend zu sein. Sie ist eine von ihnen und hat selbst Ängste und Sorgen, so können sich die Kinder gut mit Wilma identifizieren. 

   

Du hast die aktuellen Sorgen aufgegriffen und Wilma erklären lassen, was Corona, Impfen und die AHA-Regeln sind. War es eine besondere Herausforderung, diese Themen für Kinder verständlich zu machen?
Als Mama bin ich selbst ein Teil meiner Zielgruppe und versuche meiner Tochter so verständlich wie möglich zu erklären, was Corona überhaupt ist. Das versuche ich in meinen Büchern zu adaptieren und verwende Wilma als Protagonistin dafür. Das hat ganz gut geklappt. Dafür bin ich sehr dankbar, denn das Virus-Buch wurde in sechs Sprachen übersetzt und Wilma ging damit um die Welt.

   

Werden deine Bücher von deiner Tochter auf ihre Tauglichkeit geprüft?
Marlene ist meine größte Kritikerin: "Mama, so geht das nicht!", werde ich schon mal getadelt. Als Mama sieht man viele Dinge anders. Oft hilft es, Situationen durch Kinderaugen zu betrachten. Das macht vieles einfacher und ermöglicht einen besseren Zugang zu den Kindern. Meine Tochter und ich haben eine tolle Beziehung zueinander. In unserer Mädels-WG haben wir uns super aufeinander eingegroovt und sind meistens froh, dass bei uns im Haus keiner seine Socken liegen lässt. (lacht)

   

Als alleinerziehende Mutter einer schulpflichtigen Tochter waren die vergangenen Wochen mit Homeschooling und Arbeit sicherlich nicht einfach für Dich. Wie habt Ihr Euren Alltag bewältigt?
Marlene und ich haben uns ganz gut in den Tagesablauf eingefunden. Für uns waren feste Strukturen besonders wichtig. Wir sind zur gewohnten Zeit morgens aufgestanden und haben uns beim Lernen immer einen Timer von 45 Minuten gestellt, mit anschließender Pause – wie in der Schule eben. Vor allem aber habe ich mir keinen allzu großen Stress damit gemacht. Das habe ich vor Jahren versucht, so gut es eben geht abzulegen – sonst geht man nur unter. Als freischaffende Autorin bin ich in der glücklichen Situation, von zu Hause aus arbeiten zu können. Und immer dann, wenn es die Zeit zulässt. Ohne einen Chef im Nacken zu haben. 

   

Du hast Ende 2019 Deinen ersten Roman "Das schräge Haus" im Rowohlt Taschenbuch Verlag veröffentlicht. Worum geht es?
Im Gegensatz zu meinen bisherigen Veröffentlichungen ist es keine Kinderliteratur. Auch wenn die Geschichte mit der achtjährigen Ella beginnt. Ella wächst im Schrebergartenidyll des Ruhrgebiets bei ihrer Oma Mina auf. Mina hat eine besondere Gabe, denn sie "sieht" die Seelenhäuser der Menschen. Und wäre Ella ein Haus, dann eins mit schrägem Giebel. 26 Jahre später ist Ella Psychologin und ihr "Haus" schiefer denn je. Aber damit ist sie nicht allein, denn Ella behandelt Menschen, die selbst mit ihren  Schrägheiten hadern. Das Buch ist ein Roman voller liebenswert schräger Figuren und zeigt: Egal, wie schräg – irgendwie wird es schon gehen im Leben. Weil es das immer tut. Und manchmal wird es sogar richtig schön.

   

Wem würdest Du diesen Roman empfehlen?
Erstmal ist es kein typischer Frauenroman. Er beschäftigt sich eher mit dem Erwachsenwerden. Und da er im Ruhrgebiet spielt, würde ich sagen, dass er besonders für Menschen aus der Region ist. Gepflogenheiten wie "Hömma" und "Hasse nich' gesehen" sind ebenso vertreten wie die dazugehörigen Ruhrpottoriginale. Aber ein bisschen Liebe darf auch nicht fehlen.

   

Und woran arbeitest Du aktuell?
Meine Arbeit ist in den vergangenen Wochen etwas ins Stocken geraten, aber derzeit sitze ich an zwei Projekten: Gerade ist ein Bastelbuch zum Ausschneiden erschienen. Ich habe gemerkt, dass das Thema Schneiden großen Lernbedarf hat. Daher möchte ich einen "Scherenführerschein" für Kinder anbieten, bei dem sie lernen, mit der Schere umzugehen, und am Ende die Bilder im Buch selbstständig ausschneiden können.

Das zweite Projekt, wird ein Buch sein, in dem Wilma Wochenwurm das Thema Umweltschutz und Klimawandel erklärt. Ein besonders wichtiges Thema, das mir sehr am Herzen liegt und vor allem die Generation unserer Kinder betrifft. Wir sind gerne draußen in der Natur, deshalb möchten wir uns diese noch lange bewahren.

   

Wenn Ihr viel draußen unterwegs seid, hast Du bestimmt auch einen ultimativen Ausflugstipp für Familien in Dortmund – oder?
Die Pandemie hat uns gezeigt, dass man nicht immer ein großes Angebot an Unternehmungsmöglichkeiten braucht. Wir waren häufig bei uns im Sölder Wald unterwegs und haben Waldschatzsuchen unternommen. Wenn man zu Fuß unterwegs ist, entdeckt man ganz neue Sachen und bemerkt, wie schön die Natur ist. Auch die Emscherquelle ist einen Besuch wert. Man muss nicht immer weit rausfahren – vor der Haustür kann es auch ganz spannend sein.

   

Zu guter Letzt möchten wir noch wissen: Welcher Song verschafft Dir gute Laune und weckt erste Frühlingsgefühle in Dir?
Als wir vergangenes Jahr auf Pellworm waren, haben wir häufig von Bosse "Schönste Zeit" gehört. Das Lied verbinde ich mit einem wundervollen Urlaub – und einer schönen Zeit.

     

Wer unsere Fragen beantwortet hat...
Susanne Bohne (40) hat Germanistik studiert und arbeitete als Designerin, bevor sie – inspiriert von ihrer Tochter – anfing, Kinderbücher zu schreiben und zu illustrieren. Begonnen hat alles mit ihrem persönlichen Blog "Hallo liebe Wolke", auf dem sie zuerst nur von ihrem Mama-Alltag berichtete. Dort erweckte Susanne ihre Protagonistin “Wilma Wochenwurm” zum Leben und mittlerweile schaffte es Wilma mit ihren Lehrgeschichten bis ans Ende der Welt. Mit der Veröffentlichung ihres ersten Romans “Das schräge Haus" im Rowohlt Taschenbuch Verlag erfüllte sich Susanne Ende 2019 einen großen Traum.

Interview: Beate Hassel

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