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Im Familieninterview: Malte – Papa und Silbergewinner bei Olympia

|   Familienzeit

Malte ist Ruderer und hat im Deutschland-Achter viele Erfolge gefeiert, unter anderem zweimal Silber bei Olympia geholt. Neben dem Leistungssport hat er sein Maschinenbau-Studium abgeschlossen und Nachwuchs bekommen. Im Familieninterview erzählt er von seinem Alltag, Essverhalten und Zukunftsplänen.

Wie bist du zum Rudern gekommen? 
Rudern war schon immer ein großes Thema bei mir in der Familie. Meine Eltern und meine Schwestern sind gerudert oder haben zumindest aktiv beim Verein mitgewirkt. Mit 9 Jahren habe ich dann einen Schnupperkurs beim Ruderverein Rauxel gemacht und direkt Spaß daran gefunden.  

Was ist das Besondere an diesem Sport?
Ich würde sagen, es erfordert Fleiß, Talent und Disziplin. Dabei ist besonders Kraft und Ausdauer gefragt. Beides zu kombinieren, dann auch noch in einem großen Boot, das ist die Herausforderung dabei.  

Wie sieht ein gewöhnlicher Alltag als Leistungssportler aus?
Ich gehe um 7 Uhr morgens aus dem Haus und komme um 17:30 Uhr wieder – also, eigentlich wie bei einem ganz normalen Bürojob. Wir starten um 7:30 Uhr mit einer 90-minütigen Trainingseinheit im Ruderboot. Dann gibt es ein ergänzendes Krafttraining oder Gymnastikeinheiten, Physiotherapie und Videoanalysen, bevor es am Nachmittag wieder zurück ans Ruder geht. Dazwischen dürfen aber die Mahlzeiten und Ruhephasen nicht fehlen. Aber in der Regel läuft jeder Tag gleich ab. Nur in den Wettkampfphasen ist man natürlich seltener zu Hause, worunter das Familienleben auch durchaus leiden kann.  

So wie bei der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Tokio 2021?
Ja, genau. Unser Sohn Emil ist im Januar 2020 geboren und in dem Jahr wurden die Olympischen Spiele wegen der Pandemie abgesagt. Für uns war das eine wertvolle Zeit, die wir als Familie intensiv nutzen konnten. Doch als ich in diesem Jahr nach Tokio zur Vorbereitung ging und ich den Kurzen über mehrere Wochen nicht sehen konnte, war das schon grenzwertig. Am Telefon zeigte mir Emil manchmal auch sehr deutlich, dass das Sehen am Telefon nicht genug ist – und das tut einem Vater dann schon weh. Zum Glück sind Sarah und Emil nach vier Wochen zu Besuch gekommen und konnten den Familienfrieden wieder retten.  

   

Wer unsere Fragen beantwortet hat...
Malte Jakschik (28) ist in Bonn geboren und mit 7 Jahren mit seiner Familie nach Castrop-Rauxel gezogen. Beim Ruderverein Rauxel startete er mit 9 Jahren seine sportliche Karriere. Im Achter ruderte er seit 2014 im Deutschen Team und holte dabei mehrfach Europa- und Weltmeister-Titel. Bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 und Tokio 2021 holte der Deutschland-Achter zwei Mal die Silbermedaille. Mit seiner Freundin Sara zog Malte 2011 ins Dortmunder Kreuzviertel, 2019 heirateten die beiden und bekamen im Januar 2020 Sohnemann Emil. Malte machte neben dem Leistungssport den Master-Abschluss in Maschinenbau an der Ruhruniversität Bochum (RUB). Im Sommer 2021 beendete er seine Ruder-Karriere, um als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der RUB eine Promotion anzustreben.  

Interview: Beate Hassel

   

Möchtest du, dass Emil auch einmal rudert?
Ich möchte ihm das nicht aufdrängen oder ihn dazu zwingen. Er soll selbst entscheiden, welchen Interessen er nachgehen möchte. Und wenn er später mal neugierig ist und fragt, was Papa damals so gemacht hat, werde ich ihm das sicherlich mal zeigen – aber in erster Linie soll er das selbst bestimmen. Genug Energie hätte er zumindest, denn er flitzt wie ein Wirbelwind durch die Gegend und hat es auch manchmal faustdick hinter den Ohren.  

Also ein kleiner Rabauke?
Ja, das kann man so sagen. Aber das hat er von der Mama – ich war ja schließlich oft nicht da… (lacht) 

Klingt nach einer sportlichen Familie. Hast du deine Frau Sara auch beim Sport kennengelernt?  
Ja, Sara kommt auch aus dem Rudersport und war sogar bis zu den Olympischen Spielen in Rio 2016 aktiv dabei. Wir haben uns im Trainingscamp der Junioren-Klasse 2010 kennengelernt. Ein Jahr später sind wir dann in Dortmund zusammengezogen. Sara hat neben dem Sport Physiotherapie studiert und ihren Masterabschluss im Gesundheitswesen gemacht. Wir haben zu Hause auch eine Physiobank stehen – das ist schon ziemlich praktisch, da sie auch mal zwischendurch meine kleinen Wehwehchen behandeln kann.  

Du hast neben dem Leistungssport deinen Master in Maschinenbau gemacht und möchtest jetzt in den Beruf einsteigen. Was hat dich dazu bewogen, endgültig mit dem Rudern aufzuhören?
Da beim Rudersport im Vierjahreszyklus gedacht wird, war mir klar, dass nach den Olympischen Spielen in Tokio Schluss für mich ist. Ich möchte nun ins Berufsleben einsteigen und da lässt sich der Trainingsanspruch mit der Arbeit einfach nicht kombinieren. Aber nach 8 Jahren Leistungssport freue ich mich auf neue Aufgaben und Herausforderungen. Ich werde als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ruhr-Uni Bochum an einem spannenden Projekt forschen und dabei hoffentlich meinen Doktor machen.  

Und dann wird aus Sportskanone Couchpotato?  
Nee, nee… ganz ohne Sport kann ich natürlich auch nicht – und darf ich nicht! Ich muss mich weiterhin fit halten, damit das Herz-Kreislaufsystem aktiv bleibt und der Köper langsam wieder runterfahren kann. Ich mache jetzt den Sport, auf den ich Lust habe. Gehe zum Beispiel joggen oder zocke mal Fußball mit der alten Truppe am Stützpunkt.  

Worauf freust du dich am meisten, das du in der Zeit als Leistungssportler vielleicht vermisst hast? 
Auf die freien Wochenenden. In den vergangenen Jahren musste die Familie ziemlich häufig zurückstecken. Ich musste bei Familienveranstaltungen wie Geburtstagen oft absagen oder konnte nicht so lange bleiben. Jetzt freue ich mich darauf, an den freien Tagen endlich mal spontan wegfahren zu können. 

Ändert sich nun auch dein Essverhalten mit dem ausbleibenden Training?
Absolut! Wenn ich keinen Hunger habe, muss ich auch nicht essen. Das war in der Trainingsphase noch anders, da waren vier bis fünf Mahlzeiten am Tag wichtig, damit ich genug Energie hatte. Ich hatte das Gefühl, ständig essen zu müssen, um Leistung zu bringen. Das ist jetzt alles viel entspannter. Und ob die Tafel Schokolade nun eher ansetzt, werde ich dann bald sehen. (lacht)  

Was ist Dein absoluter Lieblingssong?
Unseren Hochzeitstanz hatten Sara und ich zu "Feiern im Regen" von den Toten Hosen – das Lied erinnert mich an eine schöne Feier mit Freunden und Familie.  

Hast Du einen Ausflugstipp für Familien in Dortmund?
Wir wohnen im Kreuzviertel und gehen gerne von dort aus in die Bolmke. Einfach im Wald spazieren, auf der Strecke einen Kaffee am Schultenhof trinken und die Tiere dort streicheln.  

   

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